Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Johann Ernst Philippi

geboren:1701 Dresden
gestorben:Oktober 1758 Halle
Konfession:evangelisch
Vater:Ernst Christian Philippi (gest. 1736), Pfarrer in Dresden, später Ulrichskirche in Halle und Hofprediger in Merseburg

Johann Ernst Philippi

Philippi besuchte zunächst die Schule in Merseburg. 1719 schrieb er sich zum Philosophie- und Jurastudium in Leipzig ein. Am 11. Februar 1723 legte er dort den Magistertitel ab und lehrte zunächst als Privatdozent. 1726 verfasste er allerdings eine satirische Schrift über das sächsische Lotteriewesen, die ihn für ein Jahr in das sächsische Gefängnis in Meißen brachte.

Anschließend arbeitete er wohl als Advokat in Dresden und in Merseburg. Hier drohte ihm erneut eine Haftstrafe, denn er hatte gegen das Duell-Verbot verstoßen. Dieses Mal floh er aus Sachsen nach Halle in Preußen. Hier erhielt er am 17. Juni 1731 die außerordentliche Professur der Beredsamkeit. Bemerkenswerterweise wurde Philippi bei der Besetzung der Stelle Gottsched vorgezogen, der für die Stelle ebenfalls in Betracht kam. Allerdings fiel Philippi auch in Halle bald durch sein sonderbares Verhalten auf. Zum Beispiel blamierte er sich 1734 bei einem Regimentsbesuch König Friedrich Wilhelms I., indem er im falschen Moment versuchte, dem König ein Huldigungsschreiben zu überreichen. Der König war so verärgert, dass er Philippi vor der versammelten Öffentlichkeit der Stadt und der Universität zur Räson rief, wohl auch indem er ihn schlug. Daraufhin musste Philippi Halle verlassen. Sein Abgang wurde dem König am 22. Dezember 1735 gemeldet.

Er versuchte, in mehreren Städten Fuß zu fassen. Auch verkaufte er die Bibliothek seines Vaters, um an finanzielle Mittel zu kommen. 1740 wurde er in Leipzig auf königlichen Befehl verhaftet und als „geistesgestört“ in der Zuchtanstalt Waldheim für zwei Jahre inhaftiert. Anschließend ließ er sich in Dresden nieder und machte immer wieder mit Spottschriften, aber auch Theaterstücken auf sich aufmerksam. 1757 wurde er erneut verhaftet und starb schließlich 1758 im halleschen Zuchthaus.

Das deutsche Wort „Hörsaal“ – anstelle des damals üblichen „Auditoriums“ – geht wohl auf Johann Ernst Philippi zurück.

Quellen: UAHW, Rep. 3, Nr. 297; ADB, Bd. 26, Leipzig 1888, S. 76ff.; Dreyhaupt, S. 689; Erler, Georg: Die jüngere Matrikel der Universität Leipzig, Bd. 3 (1709-1809), Leipzig 1909, S. 303; Förster, S. 253f.; Götze, Moritz/Gerlach, Peter/Grashoff, Udo (Hg.): Hallesche Originale. Aus 1200 Jahren, Halle 2010, S. 21ff.; StAH FA, Nr. 6595.

Autorin: JS

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