Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Alfred Philippson

geboren: 1. Januar 1864 Bonn
gestorben:28. März 1953 Bonn
Konfession: jüdisch
Vater: Rabbiner

Alfred Philippson

Der Sohn des bedeutenden Publizisten Ludwig Philippson legte die Reifeprüfung 1872 am Gymnasium in Bonn ab. Alfred Philippson studierte Geographie und angrenzende Fächer, insbesondere Geologie, sowie Ökonomie und Philosophie an den Universitäten Bonn und Leipzig. 1886 promovierte er an der Universität Leipzig mit der Dissertation »Studien über Wasserscheiden« zum Dr. phil. Eine Studienreise führte ihn nach Griechenland, 1891 habilitierte sich Philippson an der Universität Bonn mit einer landeskundlichen Arbeit über den Pelopnnes. (Andere Universitäten hatten die Eröffnung eines Habilitationsverfahrens verweigert, auch Bonn musste vom preußischen Kultusministerium gedrängt werden.) Als Privatdozent (seit 1899 mit Professorentitel) bereiste Philippson immer wieder Griechenland, Kleinasien und die Länder am Mittelmeer. 1904 veröffentlichte er die Studie »Das Mittelmeergebiet, seine geographische und kulturelle Eigenart« (4. Auflage 1922). Sie war einer der ersten Versuche der Darstellung einer Kulturgeographie und Geopolitik eines Raumes unter Berücksichtigung des Zusammenhanges natürlicher und sozialer Faktoren. Noch im selben Jahr folgte der Ruf auf den Lehrstuhl der Universität Bern. 1906 nahm er die Berufung zum Ordinarius für Geographie an der Universität Halle an, wechselte jedoch 1911 in gleicher Stellung nach Bonn. Ab 1913 wirkte Philippson als ordentliches Mitglied des deutschen Archäologischen Instituts in Athen, musste jedoch mit dem Kriegsausbruch nach Bonn zurückkehren. Nach dem Ersten Weltkrieg verfasste Philippson ein umfangreiches Lehrbuch (»Grundzüge der Allgemeinen Geographie« 3 Bände 1921–1924), außerdem war er bis zur Emeritierung 1929 für die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft als Vorsitzender des Fachausschusses Geographie tätig. 1933 erhielt Philippson Lehrverbot, seine Veröffentlichungen konnten nur noch im Ausland erscheinen. 1938 wurde ihm der Reisepass entzogen. Auf Grund seiner Freundschaft mit dem bei der NS-Elite hoch angesehenen Asienforscher Sven Hedin blieb Philippson zunächst unbehelligt. 1941 wurde er jedoch enteignet und 1942 in das Konzentationslager Theresienstadt verbracht. Hedin intervenierte erneut, so dass Philippson den sogenannten »Prominentenstatus A« erhielt und mit seiner Familie die Haft überlebte. Nach 1945 lehrte Philippson erneut an der Universität Bonn, außerdem veröffentlichte das Mitglied zahlreicher Akademien und wissenschaftlicher Vereinigungen mehrere Bände über griechische Landschaften.

Autobiographie: Hans Böhm und Astrid Mehmel (Hrsg.), Alfred Philippson, Wie ich zum Geographen wurde, aufgezeichnet im KZ Theresienstadt 1942–1945, Bonn 1996.

Quellen: Mühlpfordt/Schenk, S. 90 f. Dissertation; Literaturangaben und ausführliche genealogische Informationen zur weit verzweigten Familie Philippson bietet die Neue Deutsche Biographie, Band 20, S. 395–401.

Autor: HE

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