Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Johannes Piersig

geboren: 24. November 1907 Geestemünde (Hannover)
gestorben: 26. April 1998 Wedel (Holstein)
Konfession: evangelisch
Vater: Kaufmann

Johannes Piersig

Piersig besuchte das humanistische Gymnasium in Glogau. Nach der Reifeprüfung (1926) studierte er an der Staatlichen Hochschule für Musik in Leipzig vor allem Gesang und Orgelspiel. Danach unternahm er mehrere Konzertreisen. 1932 trat er die Stelle eines Kantors an der St. Elisabeth-Kirche in Breslau an. Ab 1936 lehrte er nebenamtlich an der Schlesischen Landesmusikschule Orgelspiel. 1941 wurde er Kirchenmusikdirektor der Universität Breslau, zugleich unterrichtete er als Dozent am Hochschulinstitut für Musikerziehung. Vor den anrückenden sowjetischen Truppen floh Piersig nach Leipzig, ab Mai 1945 war er Kantor der Nikolaikirche. Ab 1946 lehrte er als Dozent für Orgelspiel an der Staatlichen Musikschule Leipzig. Zum 1. April 1947 wurde er als Universitätsmusikdirektor und Lektor für Musiktheorie an die Universität Halle berufen. Zugleich übernahm er die Leitung der Robert-Franz-Singakademie. 1947 promovierte Piersig an der Universität Halle mit der Dissertation »Das Weltbild des Heinrich Schütz« zum Dr. phil. Gefördert durch die Mitglieder des »Spirituskreises«, erhielt er 1948 eine Professur mit Lehrauftrag für Musikwissenschaften. Seine Forschungen galten vor allem der Kirchenmusik des Barock (u. a. »Europäische Orgelmusik«, 1958). Ab 1956 lehrte er zusätzlich an der Humboldt-Universität Berlin. 1958, nach den Angriffen auf den »Spirituskreis«, floh Piersig in die Bundesrepublik. In seinem ausführlichen Abschiedsbrief vom 21. Juli 1958 gab er als Gründe Repressalien gegen die Kirchen und die Unduldsamkeit der Partei gegen Andersdenkende an. Er forderte Toleranz anstelle des angekündigten »verschäften Klassenkampfes« ein und betonte, dass ein akademisches Lehramt schließlich »kein Gnadengeschenk der Arbeiterklasse« sei. Heftige Kritik übte er am Agieren der »eiskalten ›Ingenieure der Macht«, »die ihr Ziel nur durch die totale Demontage des menschlichen Seelentums erreichen« könnten. Er würde sich mitschuldig machen, wenn er weiterhin am Aufbau dieses Sozialismus mittue. Und weiter: »Ich würde auch gehen, wenn ich genau vorher wüsste, dass der Kommunismus den Westen in wenigen Jahren überschwemmt.«.
Ab 1959 arbeitete Piersig als Kirchenmusiker in Hamburg und bearbeitete verschiedene Forschungsaufträge zur Musikgeschichte (»Beiträge zu einer Rechtssoziologie der Kirchenmusik«, 1972; »Das Fortschrittsproblem in der Musik um die Jahrhundertwende«, 1977). 1978 erhielt Piersig eine Stelle an der Freien Universität Hamburg (später umbenannt in Freie Universität Norddeutschland), 1979/80 war er Rektor dieser Universität. Geehrt wurde Piersig mit der Orlando-di-Lasso-Medaille und dem Bundesverdienstkreuz am Bande.

Organisationen:

Quellen: Dissertation; Auskunft aus UAHW, Rep. 11, PA 12455 (Piersig); Auskunft aus dem Nachlass.

Autor: HE

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