Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Edler von der Planitz-Wächter, Kurt geb. Wächter

geboren:1. Januar 1951 in Zwickau
  
  
  

Edler von der Planitz-Wächter, Kurt geb. Wächter

Nach seinem Pädagogikstudium arbeitete Kurt Planitz-Wächter zunächst als Lehrer, ab 1977 als Sonderschullehrer. 1980 wurde er zum Zusatzstudium der Rehabilitationspädagogik an die Universität Halle delegiert. Er blieb dabei an seiner Schule angestellt und studierte gleichzeitig in Halle. Zusammen mit sechs anderen Studierenden unterschrieb er Anfang 1982 einen ursprünglich vom Dresdener Pfarrer Christoph Wonneberger initiierten Antrag auf Änderung des Wehrdienstgesetztes, der die Einrichtung eines Sozialen Friedensdienstes (SoFD) forderte. Einer der Studierenden, der im selben Wohnheim wie Kurt Planitz-Wächter wohnte, berichtete als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) „Rietschel“ dem MfS über die Unterschriften. Im Rahmen des OV „Zentrum“ ermittelte das MfS gegen die Studierenden, die wegen ihrer Unterstützung des SoFD aus dem Schuldienst entlassen und vom Studium an der Universität Halle exmatrikuliert wurden. Die Entlassung hatte das Ministerium für Volksbildung mit dem Vorwurf der Verfassungsfeindlichkeit begründet.  
Kurt Planitz-Wächter wurde mit einem Berufsverbot als Lehrer belegt. Bis 1984 arbeitete er in verschiedenen Betrieben. 1985 konnte er im Gesundheitswesen des Kreis Grimmen im Bezirk Rostock eine Anstellung als Werkstattleiter bzw. Ausbilder an einer Werkstatt für Hilfsschulabgänger finden. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde er 1990 von der Universität Halle rehabilitiert und konnte sein Rehabilitationspädagogikstudium im selben Jahr mit einem Hochschulabschluss als Lehrer für intellektuell Geschädigte abschließen. Von 1991 bis 1995 war er Schulleiter einer Förderschule für geistig beeinträchtige Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, danach Sonderschullehrer. Parallel absolvierte er ein externes Philosophie-Studium an der Universität Greifswald. Ab 1997 arbeitete er als Gymnasiallehrer, 2001 ging er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Er leitete anschließend Erstorientierungskurse für Flüchtlinge für den Malteser Hilfsdienst und engagierte sich ehrenamtlich in der Aufarbeitung der DDR-Zeit.

Quellen: 
UAHW, Rep. 7, Nr. 1582 Rep. u. 12, SA 77110 (Planitz-Wächter).

Ehrhart Neubert: Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989, Bonn 2000, S. 389–394.

Anke Silomon: "Schwerter zu Pflugscharen" und die DDR die Friedensarbeit der evangelischen Kirchen in der DDR im Rahmen der Friedensdekaden 1980 bis 1982, Göttingen 1998, S. 93–100.

Autor: AK

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