Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Widmaier, Christel und Günter

geboren:7. Juni 1936 in Halle und 14. Januar 1935 in Osterwieck
  
  
  

Widmaier, Christel und Günter

Christel Widmaier, geb. Schellenbeck, * 7. Juni 1936 in Halle. Sie studierte an der Martin-Luther-Universität Zahnmedizin, Promotion 1960, 1960-1963 Assistentin an der Universitätszahnklinik bei Erwin Reichenbach, danach Betriebszahnärztin im Gesundheitswesen der Stadt Halle. 

Günter Widmaier *14. Januar 1935 in Osterwieck. Abitur in Wernigerode. Er studierte von 1954 bis 1959 Humanmedizin an der Martin-Luther-Universität. Nach dem Examen folgte die Facharztausbildung an der Universitätsfrauenklinik bei Karlheinz Sommer, Promotion 1960, Facharzt 1965. 1975 folgte die Promotion B (Dr. sc. med., seit der 3. Hochschulreform anstelle der Habilitation).  Er blieb bis zu seiner gescheiterten Flucht 1976 als Assistenz- bzw. Oberarzt an der Universitätsfrauenklinik.

1976 versuchten die Widmaiers mit ihren drei Kindern (geb. 1963, 1964, 1967), die DDR zu verlassen. Nach Denunziation durch einen Inoffiziellen Mitarbeiter des MfS in der beauftragten Fluchthilfeorganisation wurde die Familie am 24. Januar 1976 am Grenzübergang Horst verhaftet. Die Kinder kamen zunächst in das Kinderheim in Reinsdorf, Kreis Wittenberg. Nach ca. vier Wochen gelang es den Großeltern, die Kinder zu sich nach Ilsenburg zu holen, wo sie bis zum Freikauf 1978 lebten.

Das Ehepaar Widmaier wurde in Schwerin dem Haftrichter vorgeführt und beide kamen für ein halbes Jahr nach Berlin-Hohenschönhausen in die Untersuchungshaftanstalt des MfS. Zum gemeinsamen Prozess wurden sie in die Haftanstalt „Roter Ochse“ in Halle gebracht und in der Gerichtsverhandlung am 28. Juli 1976 zu vier Jahren und drei Monaten (Günter) bzw. drei Jahren und neun Monaten Haft (Christel) verurteilt.

Nach dem Prozess kam Christel Widmaier in das Frauengefängnis Hoheneck. Sie arbeitete dort als Näherin. Günter Widmaier kam in die Haftanstalt in Cottbus. Er arbeitete als Entgrater von Stanzteilen für die Fotoindustrie. Von Februar bis September 1977 war er als Häftlingsarzt in der Haftanstalt Torgau eingesetzt und kam anschließend nach Cottbus zurück.
An dem Freikauf waren von westlicher Seite der Berliner Rechtsanwalt Jürgen Stange und von östlicher Seite der Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel beteiligt. Der Freikauf wurde finanziert über Berthold Beitz, den Generalbevollmächtigten der Firma Krupp, der sich für politisch Verfolgte engagierte. Am 20. Januar 1978 wurden sie aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen und mit anderen Freigekauften in einem Bus in das Auffanglager Gießen gefahren. Im Mai 1978 konnten auch die Kinder ausreisen.

Zunächst ging die Familie nach Schriesheim. Günter Widmaier übernahm eine Oberarztstelle an der Universitätsfrauenklinik in Heidelberg und erhielt nach der Umhabilitation die Venia legendi, Christel Widmaier arbeitete bei einer niedergelassenen Zahnärztin. 1981 ging die Familie nach Stuttgart, wo Günter Widmaier bis zu seiner Pensionierung Chefarzt am Diakonissenkrankenhaus mit Lehrauftrag an der Universität Tübingen war. Christel Widmaier eröffnete eine eigene Praxis, in der sie noch 20 Jahre tätig war. Das Ehepaar lebt heute im Allgäu.

Autor: AK

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