Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Herbert Preisker

geboren: 23. Februar 1888 Deutsch-Rasselwitz (Kreis Neustadt, Oberschlesien)
gestorben: 24. Dezember 1952 Jena
Konfession: evangelisch
Vater: Kaufmann

Herbert Preisker

Nach dem Besuch der Volksschule in Rasselwitz trat Preisker in das Gymnasium Leobschütz ein, wo er 1908 die Reifeprüfung ablegte. Er studierte Theologie an den Universitäten Halle, Berlin und Breslau. 1912 legte er die erste, 1914 die zweite theologische Prüfung ab und wurde ordiniert. Das Vikariat absolvierte er in Dittmannsdorf bei Waldenburg (Schlesien). 1915 promovierte er an der Universität Breslau mit der Dissertation »Die Ethik der Evangelien und die jüdische Apokalyptik« zum Lic. theol. Danach wirkte er als Lazarettpfarrer in Tarnowitz. Nach Kriegsende war er Pfarrer an der Trinitatuskirche in Breslau. 1924 habilitierte sich Preisker mit einer Studie über »Die Ehe im Urchristentum« an der Universität Breslau für das Fach Neues Testament. 1928 unternahm er eine Studienreise in den vorderen Orient. 1929 wurde Preisker als Professor für Religionswissenschaft an die Pädagogische Akademie Breslau berufen, zugleich lehrte er weiter an der Universität. 1932 wurde er, nach der Auflösung der Akademie, nach Halle versetzt, 1934, nach der Schließung dieser Pädagogischen Akademie an die Hochschule für Lehrerbildung in Frankfurt/Oder. Preisker schloss sich 1933 der Glaubensbewegung Deutsche Christen an und zeigte sich in seiner Schrift »Deutsches Christentum: Die neutestamentlichen Schriften im altdeutschen Heliand« (1934) als, wie Ulrich Hutter-Wolandt in seinem Lexikonbeitrag über Preisker auf www.bautz.de urteilt, als »überzeugter Nationalsozialist«. 1935 lehrte Preisker vertretungsweise als außerordentlicher Professor an der Universität Göttingen, 1936 wurde er im Zuge der nationalsozialistischen Neuausrichtung der Theologischen Fakultät als ordentlicher Professor für Neues Testament und allgemeine Religionsgeschichte an die Universität Breslau berufen. Hier war er von 1936 bis Kriegsende Dekan, zugleich ab 1939 Konsistorialrat. Während des Zweiten Weltkrieges war Preisker als Militärseelsorger und Wehrkreisdekan tätig. 1945 wurde er zunächst mit der Sicherung der Bibliotheken der geisteswissenschaftlichen Seminare der Universität Breslau betraut, jedoch im Oktober 1945 ausgewiesen. Preisker ließ sich in Jena nieder, 1946 erhielt er an der Philosophischen Fakultät der Universität einen Lehrauftrag. Da Preisker nur unter Schwierigkeiten entlastende Zeugnisse beibringen konnte, zog sich das »Entnazifizierungsverfahren« hin. 1947 wurde er jedoch als Ordinarius für Neues Testament und Religionsgeschichte an die Universität Jena berufen. Ab 1950 bekleidete Preisker hier das Amt des Dekans und erwarb sich durch eine geschickte Berufungspolitik sowie organisatorisches Geschick Anerkennung. Jenas Rektor Heussi bescheinigte ihm 1952, dass er »ausgesprochen antifaschistisch eingestellt« sei.
1952 nahm Preisker den Ruf an die Universität Halle an. Die Theologische Fakultät erhoffte sich von ihm eine Weiterführung des Corpus Hellenisticum, 1937 hatte Preisker die quellenbasierte Studie »Neutestamentliche Zeitgeschichte« veröffentlicht, in der er den griechischen Einfluss auf die Formierung des Christentums herausarbeitete. Außerdem hatte Preisker mehrere Studien zum Johannesevangelium und zur jüdischen Apokalyptik sowie zur hellenistisch-römischen Religionsgeschichte publiziert. Für das Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament verfasste er mehrere Beiträge. 1949 erschien die zweite Auflage seines Buches »Das Ethos des Urchristentums«.

Organisationen: 1933 Deutsche Christen; 1946 Kulturbund

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 12626 (Preisker); Meier, S. 389; www.bautz.de (mit Literaturangaben).

Autor: HE

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