Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Bild für rechte Spalte: Reitersiegel-Binärcode

Carl Robert

geboren: 8. März 1850 Marburg
gestorben: 17. Januar 1922 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Universitätsprofessor

Carl Robert

Robert begann ein Studium der alten Philologie und Archäologie an der Universität Bonn. Im Juli 1870 trat er als Einjährig Freiwilliger in das hessische Jägerbataillon Nr. 11 ein und nahm am Krieg gegen Frankreich teil. Nach dem Krieg setzte er seine Studien an der Universität Berlin fort und komplettierte sie während einer Reise nach Italien und Griechenland. 1873 promovierte er an der Universität Berlin mit der Dissertation »De Apollodori bibliotheca« zum Dr. phil. Er habilitierte sich 1876 an der Universität Berlin und erhielt bereits 1877 ein besoldetes Extraordinariat. Zum Ordinarius ernannt wurde er 1880. 1889 wechselte er nach Halle auf ein Ordinariat für klassische Archäologie und Philologie. Hier nahm er Einfluss auf den – 1888 beschlossenen – Bau des Archäologischen Museums (heute Robertinum). Robert war ausgesprochen produktiv, unter anderem veröffentlichte er drei Bände über römische Sarkophage, eine Anleitung zur Deutung klassischer Bildwerke (»Archäologische Hermeneutik«), zu antiken Märchen, der Ilias und zahlreichen Schriftstellern. Er war Förderer des Lauchstädter Theaters, dort wurde das von ihm aufgefundene und bearbeitete Satyrspiel »Spürhunde« des Sophokles uraufgeführt. Obwohl Robert noch im Alter als »ungewöhnlich geist- und temperamentvolle Persönlichkeit« galt, waren ihm weder als Leiter des Museums, noch in der Lehre ähnliche Erfolge wie in seiner glänzenden Berliner Zeit beschieden. Die von ihm präferierte enge Verbindung zwischen Archäologie und Philologie lag – im Gegensatz zur kunsthistorischen Betrachtungsweise – bald nicht mehr im Trend. Robert, der frühzeitig Witwer wurde, widmete einen Großteil seiner Kraft der Universität, unter anderem als Ephorus der Wittenberger Benefizien. Als Rektor (1906/07) versuchte er historische Rechte der Hochschulen vor dem Zugriff des preußischen Staates zu schützen, was ihm jedoch nicht gelang. Nicht zuletzt deshalb initierte er die – zunächst als inoffiziell apostrophierten – Konferenzen der deutschen Hochschulen, wodurch Halle für über zwei Jahrzehnte zum Sitz der Hochschulrektorenkonferenz wurde. Am Beginn des Ersten Weltkrieges ließ der Leutnant a. D. nichts unversucht, trotz seines hohen Alters wieder im Militär Verwendung zu finden. Der Emeritierung stellte sich der Hochgeehrte (Roter Adler-Orden 3. Klasse, Königlicher Kronenorden 2. Klasse, Offizierskreuz des italienischen Mauritiusordens, Ritterkreuz des Schwedischen Nordsterns, zahlreiche Ehrenmitgliedschaften in deutschen und internationalen Gelehrtengesellschaften, Vereinen und Akademien) 1921 nicht entgegen. Robert beharrte jedoch darauf, die Lehre bis zu seinem Tod fortzusetzen, da er das Prinzip der Altersgrenze für Professoren an sich ablehnte.

Quelle: UAHW, Rep. 11, PA 13142 (Robert); Mühlpfordt, Schenk u. a., Spirituskreis.

Autor: HE

Zum Seitenanfang