Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Arnold Schering

geboren: 2. April 1877 Breslau
gestorben: 7. März 1941 Berlin
Konfession: evangelisch
Vater: Kaufmann

Arnold Schering

Die Abiturprüfung legte Schering 1896 am Kreuzgymnasium in Dresden ab. Zunächst studierte er Violine und Komposition an der Berliner Hochschule für Musik, ab 1899 Musikwissenschaft, Literaturgeschichte, Psychologie und Philosophie an den Universitäten Berlin, München und Leipzig. Zugleich arbeitete Schering als Musikkritiker. 1900/01 leistete er Militärdienst als Einjährig Freiwilliger in einem Infanterieregiment. 1902 promovierte er an der Universität Leipzig mit der Dissertation »Geschichte des Instrumental-(Violin-)Konzerts bis Antonio Vivaldi«. Von 1903 bis 1905 war er Herausgeber der »Neuen Zeitschrift für Musik« und ab 1904 des Bachjahrbuches. 1907 habilitierte er sich an der Universität Leipzig mit der Abhandlung »Die Anfänge des Oratoriums« (erweitert 1911, »Geschichte des Oratoriums«) für Geschichte und Ästhetik der Musik. 1909 übernahm er einen Lehrauftrag für Musikgeschichte am Leipziger Konservatorium. 1915 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt. Von 1914 bis 1916 leistete Schering Kriegsdienst in der Garnision Leisnig (Sachsen). 1920 wurde er auf das Ordinariat für Musikwissenschaft an der Universität Halle berufen. 1928 wechselte er als ordentlicher Professor für Musikgeschichte an die Universität Berlin. Schering war lange Jahre Vorsitzender der Kommission »Denkmäler deutscher Tonkunst«, ab 1927 Vorsitzender der Händelgesellschaft, später Präsident der Deutschen Gesellschaft für Musikwissenschaft. Im Unterricht plädierte Schering für eine enge Verbindung der Musikgeschichte mit der praktischen Wiedergabe. In Leipzig, Halle und Berlin leitete er Collegia musica. Sein wissenschaftliches Schaffen war, so die Enzyklopädie Musik in Geschichte und Gegenwart, «ungewöhnlich ideenreich«. Er forschte über Bach ebenso, wie zur Musik der Renaissance und Beethoven. Er edierte zahlreiche Werke und rekonstruierte die verschollen geglaubte »Weihnachtshistorie« des Heinrich Schütz. Da Schering vor allem den geistigen Inhalten und dem Symbolhaften in der Musik nachspürte, blieb er in der NS-Zeit als führender Musikwissenschaftler unangefochten. Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Musikwissenschaft sorgte er für deren Ausrichtung an den Vorgaben des Regimes sowie für die Entlassung der jüdischen Angestellten. In engeren Kontakt zum Propagandaministerium brachten die Gesellschaft jedoch erst, wie Pamela Potter konstatierte, Scherings Nachfolger.

Organisationen:

Quellen: Dissertation; BA R 4901/13275; DBE Band 8, S. 612; MGG, Band 11 (1963), Sp. 1678–1681; Pamela Potter, Die deutscheste der Künste: Musikwissenschaft und Gesellschaft von der Weimarer Republik bis zum Ende des Dritten Reichs, Stuttgart 2000, S. 73 f., 95 f.

Autor: HE

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