Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher

geboren:21. November 1768 Breslau
gestorben:12. Februar 1834 Berlin
Konfession:reformiert
Vater:Gottlieb Adolf Schleiermacher (1727-1794), Feldprediger

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher

Seit dem Frühjahr 1783 besuchte Schleiermacher das Pädagogium der Herrnhuter Brüdergemeine in Niesky und wechselte 1785 an das Theologische Seminar der Brüdergemeine in Barby. Der Sohn eines reformierten Pfarrers genoss so eine durchweg pietistische Ausbildung. 1787 verließ er das Seminar jedoch gegen den Willen seiner Familie und begann mit dem Theologiestudium in Halle, wo er sich am 19. April einschrieb. Der Philologe Johann August Eberhard (1739-1809) prägte ihn stark, vor allem in der Auseinandersetzung mit den antiken Dichtern und Philosophen.

Nach dem Theologischen Examen 1790 war er bis 1793 als Hauslehrer der Familie des Grafen Dohna im ostpreußischen Schlobitten tätig. 1794 ging er als Hilfsprediger nach Landsberg an der Warthe.

Ab 1796 übernahm Schleiermacher das Predigeramt an der Berliner Charité. Hier fand er Einzug in die romantischen Kreise und Salons Berlins, kam er u.a. mit Friedrich Schlegel (1772-1829) und Henriette Herz (1764-1847) in Kontakt. Er publizierte Schriften und Reden sowie eine umfassende Übersetzung der Werke Platons, die die Deutung des antiken Denkers lange Zeit prägte. Im Frühjahr 1802 musste Schleiermacher das Amt aufgeben und ging als Hofprediger nach Stolp in Pommern.

Er war mittlerweile in Berlin und am preußischen Hof gut bekannt und so berief man ihn am 11. Mai 1804 auf die Stelle als Universitätsprediger und am 15. August desselben Jahres auf die außerordentliche Professur der Theologie an die Universität Halle. Dies war eine durchaus politische Besetzung denn seit den 1770er Jahren wurden die unionistischen Bestrebungen, das heißt die Bemühungen um die Vereinigung der beiden Kirchen der Reformation, von Berlin aus verstärkt. Schleiermacher galt zum Zeitpunkt seiner Berufung bereits als ein Theologe, der für die Union der beiden Kirchen kämpfte. Aufgrund seiner reformierten Herkunft und seiner pietistischen Erziehung setzte er sich sowohl mit beiden Ausrichtungen kritisch auseinander und passte so perfekt in die Berliner Konfessionspolitik dieser Zeit. Daher merkt Friedrich Wilhelm III. im Bestallungspatent anerkennend an, dass die Theologische Fakultät „Meinen Absichten auf eine immer nähere Annäherung der beiden jetzt nur in Nebendingen verschiedenen protestantischen Religions-Partheien entgegen kömmt, und in dieser Hinsicht es für zulässig und ratsam hält, dem gelehrten Theologen und guten Kanzelredner geschätzten Hoffprediger Schleiermacher, eine theologische Professur bei gedachter Facultät zu ertheilen […]“. Damit wurde er der erste reformierte Professor an der Theologischen Fakultät der Fridericiana. 1806 konnte auf die ordentliche Professur aufsteigen.

Als die Universität Halle 1806, nach der Besetzung Halles durch napoleonische Truppen, vorübergehend geschlossen wurde, ging Schleiermacher nach Berlin. Hier wurde er 1809 Pfarrer der Dreifaltigkeitskirche. Gleichzeitig bemühte er sich gemeinsam mit Wilhelm von Humboldt und Freiherr von Stein um eine Reformierung des Unterrichtswesens und um die Einrichtung einer Universität in Berlin. So zählte er auch zu ihren ersten Professoren: 1810 wurde er zum ordentlichen Professor der Theologie berufen. Er prägte die Universität und ihren Ruf über die nächsten zwei Jahrzehnte maßgeblich.

Am 18. Mai 1809 heiratete Schleiermacher die Witwe seines Pfarrerkollegen Ehrenfried von Willich, Henriette von Mühlenfels (1789-1840).

Organisationen:

1809 Carl-Friedrich-Zelters Sing-Akademie Berlin

1810 Mitglied der Akademie der Wissenschaften Berlin

Mitglied der Teutschen Tischgesellschaft Berlin

Mitglied der Zwanglosen Gesellschaft Berlin

1831 Roter Adlerorden III. Klasse

Quellen: ADB, Bd. 31, Leipzig 1890, S. 422-457; BBKL, Bd. 9, Herzberg 1995, Sp. 253-270; Katzenbach, Friedrich Wilhelm: Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek 1967; NDB, Bd. 23, Berlin 2007, S. 54ff.; Schrader II, S. 529; UAHW Matrikelverzeichnisse nach 1744, Bd. 3, Bl. 29; UAHW Rep 3, Nr. 239 Ernennung der Adjunkten, außerordentlichen und ordentlichen Professoren bei der Theologischen Fakultät (1691-1786).

Autorin: JS

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