Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Ernst Albert Schmidt

geboren: 13. Juli 1845 Halle
gestorben: 5. Juli 1921 Marburg
Konfession: evangelisch
Vater: Fabrikant

Ernst Albert Schmidt

Nach dem Besuch der Bürgerschule und der Realschule begann Schmidt eine Apothekerlehre in Halle. 1864 bestand er die Gehilfenprüfung. Danach war er als Apotheker in Neuwied, Mainz, Freiburg (Schweiz), Genf und Erfurt tätig. Den einjährigen Militärdienst absolvierte er in Erfurt. Nach Halle zurückgekehrt, nutzte er seine Tätigkeit in einer Apotheke zu wissenschaftlichen Studien. 1869 erhielt er den 1. Preis der Hagen-Buchholz-Stiftung des Deutschen Apothekervereins für eine Studie über das Cubeben. Im selben Jahr begann er das Studium der Pharmazie an der Universität Halle. 1870 legte er das pharmazeutische Staatsexamen ab. 1870/71 leitete er Kriegsdienst. Da ihm auf Grund des fehlenden Abiturs eine Promotion in Preußen verweigert wurde, wechselte er an die Universität Leipzig und promovierte hier 1872 mit der Dissertation »Über Einwirkungen von flüssigem Phosgen auf einige Amide«. Die Abiturprüfung legte Schmidt 1872 in Aschersleben ab, da er sich für eine Laufbahn als Hochschullehrer entschied. 1872/73 arbeitete Schmidt im Chemischen Institut der Universität Berlin, 1874 habilitierte er sich an der Universität Halle mit der Schrift »Beiträge zur Kenntnis des Anthracens und Chrysens«. Als Zweitem Assistent im hallischen Chemischen Institut oblag Schmidt fortan die pharmazeutische Ausbildung, 1878 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt. Nach dem Tod von Wilhelm Heintz 1880 übernahm er zeitweilig die Leitung des Instituts. Schmidt forschte vor allem zur Wirkungsweise der Alkaloide (Belladonna, Stechapfel) und mühte sich um die Aufklärung chemischer Strukturen von Arzeimitteln. Außerdem verfasste er ein Lehrbuch der pharmazeutischen Chemie. Da seine Bemühungen scheiterten, die Pharmazie als eigenständiges Fach an der Universität Halle zu etablieren, folgte 1884 er einem Ruf an die Universität Marburg. Britta Gahl urteilte in ihrer Dissertation über die Pharmazie an der Universität Halle, dass der Universität damit der vielleicht »bedeutendste pharmazeutische Hochschullehrer des 19. Jahrhunderts verloren« ging. An der Philipps-Universität lehrte Schmidt Pharmazeutische Chemie, Chemische Toxikologie und Nahrungsmittelchemie. Seine pharmazeutischen Studien wurden richtungsweisend. Dem Begründer der Marburger Schule der Pharmazie blieb die Anerkennung nicht versagt. Zahlreiche nationale Apothekervereine ernannten ihn zum Ehrenmitglied. Ab 1900 gehörte Schmidt dem Reichsgesundheitsrat an. 1912 wurde er von den Vorlesungspflichten, 1919 von der Leitung des Pharmazeutisch-Chemischen Instituts entbunden.

Quellen: Gahl S. 89 f.; Catalogus professorum academiae Marburgensis, Band 2; S. 368 f.

Autor: HE

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