Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Carl Stumpf

geboren: 21. April 1848 Wiesentheid (Bayern)
gestorben: 25. Dezember 1936 München
Konfession: katholisch, später ohne
Vater: Bezirksarzt

Carl Stumpf

Stumpf besuchte Gymnasien in Bamberg und Aschaffenburg. Er studierte an den Universitäten Würzburg und Göttingen zunächst Jura, danach Philosophie und Naturwissenschaften. 1868 promovierte er an der Universität Göttingen bei Hermann Lotze mit der Dissertation »Das Verhältnis des Platonischen Gottes zur Idee des Guten« zum Dr. phil. 1869 trat Stumpf in das Würzburger Priesterseminar ein, wo er sich wissenschaftlich vor allem mit der mittelalterlichen Solastik und Thomas von Aquin beschäftigte. 1870 verließ er – enttäuscht – das Priesterseminar und habilitierte sich an der Universität Göttingen mit einer Schrift über mathematische Axiome. 1873 wurde Stumpf zum ordentlichen Professor für Philosophie an die Universität Würzburg berufen. 1879 wechselte er an die Universität Prag, 1884 an die Universität Halle wo er u. a. Edmund Husserl beeinflusste. 1889 ging Stumpf an die Universität München, 1884 wechselte er nach Berlin. Hier war er u. a. Gründer des Psychologischen Instituts und des Phonogramm-Archivs. Zeitweise leitete er die Kant- und Leibnitz-Kommission der Akademie der Wissenschaften. Stumpf sah im naturwissenschaftlichen Denken, seinem Lehrer Franz Brentano folgend, »die wahre philosophische Methode«. Ihm ging es um die Gemeinsamkeiten von Natur und Geist, folgerichtig war seine Hinwendung zur Psychologie und zur Erkenntnistheorie. Philosophie war ihm die Wissenschaft von den »allgemeinsten Gesetzen des Psychischen und des Wirklichen überhaupt«. In der Psychologie befasste sich Stumpf vor allem mit der Wahrnehmung von Tönen, wenn ihm auch die Untersuchung der sinnlichen Erscheinungen lediglich als »Phänomenologie« und damit »Vorwissenschaft« galt. Er widerlegte in experimentellen Studien die damals gültige Lehre von der Raumlosigkeit der Tonempfindungen und definierte den Raum als letztlich psychologische Wahrnehmung. Außerdem befasste sich Stumpf mit ethischen und geistesgeschichtlichen Fragen. Im ethischen Handeln sah er – fortschrittsoptimistisch – »rein sachliches Handeln, wie wissenschaftliche Erkenntnis rein sachliches Urteilen ist.« Als Philosophiehistoriker kritisierte Stumpf das spekulativ-dogmatische Philosophieren des mittleren und späten 19. Jahrhunderts. Stumpf war Mitglied der Akademien der Wissenschaften zu Berlin, München, Rom und Washington, geehrt wurde er u. a. mit dem Roten Adler-Orden 3. Klasse, dem Kronen-Orden 2. Klasse und dem Orden Pour le merité (Friedensklasse).

Organisationen: als Mitglied des Hochschulverbandes in den NSLB überführt

Quellen: BA R 4901/13278; Ziegenfuss, Jung, Band 2, S. 657–660.

Autor: HE

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