Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Hermann Suchier

geboren: 11. Dezember 1848 Karlshafen an der Weser (Hessen-Nassau)
gestorben: 3. Juli 1914 Halle
Konfession: evangelisch-reformiert
Vater: Kaufmann, Landespolitiker

Hermann Suchier

Suchier, Abkömmling einer französischen Hugenottenfamilie, die ins Hessische flüchtete, legte die Reifeprüfung als 17-jähriger am Gymnasium Rinteln ab. Er studierte germanische, englische, romanische und orientalische Philologie, speziell Sanskrit, sowie vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Marburg. 1867/68 leistete er Militärdienst als Einjährig Freiwilliger in einem Jägerbataillon. Er setzte seine Studien an der Universität Leipzig fort. Die Dissertation mit dem Titel »Über das niederrheinische Bruchstück der Schlacht bei Alleschanz« war fertiggestellt, das Rigorosum musste er jedoch später ablegen, da er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Suchier nahm am Loirefeldzug teil und kämpfte in den Schlachten bei Orleans und Beaumont. Nach der Rückkehr bestand er die Doktorprüfung und wurde in Leipzig zum Dr. phil. promoviert. 1872 reiste Suchier zu Studienzwecken nach Paris, im selben Jahr legte er in Marburg die Prüfung für das höhere Lehramt ab. 1873 habilitierte er sich an der Universität Marburg mit der Schrift »Über die Quelle Ulrichs vom dem Türlin und die älteste Gestalt der prise d’Orange« für die Fächer romanische und englische Philologie. Bereits 1874 wurde er als außerordentlicher Professor an die Universität Zürich berufen, schon 1875 wechselte er als ordentlicher Professor an die Akademie in Münster. 1876 wurde er an die Universität auf den Lehrstuhl für romanische Sprachen berufen. 1901/02 war er Rektor der Universität. Rufe nach Strassburg (1880) und Leipzig (1890) lehnte er trotz angebotener erheblicher Gehaltszulagen ab. Für sich handelte Suchier Reisekostenzuschüsse heraus, für die Universitätsbibliothek erhielt er Mittel für den Ankauf von Büchern, die Angebote des preußischen Staates lagen jedoch weit unter den Zusagen der anderen Regierungen. Suchier nutzte die Reisemittel zu Handschriftenstudien in Frankreich und England, was ihm die Möglichkeit gab, zahlreiche mittelalterliche Texte in der von ihm begründeten Bibliotheca Normannica zu edieren. (Seine Forschungen zum Provencalischen konnte er nicht als Reihe institutionalisieren.) In der romanischen Philologie führte sein Weg von der Literaturgeschichte zur Textkritik, er hat diese Wissenschaftsentwicklung maßgeblich vorangetrieben. Aus heutiger Sicht scheint interessant, dass Suchier stets einen europäischen Zugang in der Deutung mittelalterlicher Epen und Sagen anmahnte, etwa beim Willehard des Wolfram von Eschenbach. Studenten gab er mit einer Überblicksdarstellung zur »Geschichte der französischen Literatur von den ältesten Zeiten bis zu Gegenwart« (1900, 2. Auflage 1913) und einer altfranzösischen Grammatik (1893) wertvolle Hilfsmittel zur Hand.
Suchier, der auch zahlreiche Studenten aus Frankreich, Belgien, Spanien und Rumänien anzog, ließ sich 1912 aus gesundheitlichen Gründen von den Lehrverpflichtungen entbinden. Er gehörte mehreren Akademien an, Schüler und Kollegen ehrten ihn mit einer umfangreichen Festschrift, der preußische Staat zeichnete ihn mit dem Roten Adler-Orden 3 Klasse und dem Kronen-Orden 3. Klasse aus, die Academie francaise verlieh ihm die Palmes d' officier d academie. Sein Nachlass wird in der Staatsbibliothek zu Berlin verwahrt.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 15801 (Suchier) (darin Leichenrede Voretzsch); Habilitationsschrift.

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