Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Franz Volhard

geboren: 2. Mai 1872 München
gestorben:24. Mai 1950 Frankfurt am Main
Konfession: evangelisch
Vater: Universitätsprofessor

Franz Volhard

Der Sohn des Chemikers Jacob Volhard besuchte die Latina der Franckeschen Stiftungen, dann das Internat in Schulpforta. Er studierte Medizin an den Universitäten Bonn, Straßburg, Halle. Hier promovierte er mit der Dissertation »Experimentelle und kritische Studien zur Pathogenese und Eklampie« zum Dr. med. Nach dem Militärdienst als Einjährig Freiwilliger trat Volhard eine Stelle als Pathologe im Krankenhaus Berlin-Friedrichshain. 1898 wurde er Assistent an der Universitätsklinik in Gießen und habilitierte sich 1904 mit einer Arbeit über das fettspaltende Enzym (»Ferment«) im Magen, das er 1901 entdeckt hatte. 1905 übernahm Volhard die Leitung der inneren Abteilung des städtischen Krankenhauses Dortmund. 1908 wurde er Direktor der städtischen Krankenanstalt Mannheim, um dort eine neue Klinik aufzubauen. 1918 erhielt Volhard einen Ruf an die Universität Halle und übernahm die Leitung der Medizinischen Universitätsklinik. 1927 wechselte er – Halle war für den bedeutenden und tatkräftigen Mediziner zu eng geworden – an die Universität Frankfurt am Main. Während einer Vortragsreise durch Südamerika wurde Volhard in Abwesenheit 1938 emeritiert. Er arbeitete in einem Sanatorium in Bad Nauheim, das von Schülern Volhards geführt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges war er im Raum Frankfurt als beratender Internist im Rang eines Marineoberstabsarztes für die Wehrmacht tätig. 1945 kehrte er als einer der wenigen unbelasteten Medizinprofessoren an die Universität zurück. Obwohl er einigen Gliederungen der NSDAP angehört hatte, setzte sich Volhard, der als konservativ, auch »reaktionär«, von einigen als impulsiv und zugleich politisch naiv beschrieben wurde, als Dekan 1933 für jüdische Mitarbeiter ein und galt später den Nationalsozialisten – nicht zuletzt wegen seiner Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge – als suspekt. Wissenschaftlich arbeitete Volhard, der eine große und weitreichende Schule gründete, zu Nierenkrankheiten, Bluthochdruck und Herzkrankheiten. Vor allem forschte Volhard zum Zusammenhang zwischen Nephrologie und Kardiologie. Unter anderem entwickelte er gemeinsam mit Viktor Schmieden eine Operationsmethode für das sogenannte Panzerherz (schwielige Pericarditis). Volhard forschte über Malaria und Lungenkrankheiten, außerdem konstruierte er in den 1920er Jahren ein Gerät zur künstlichen Beatmung. 1930 veröffentlichte er das Buch »Kochsalzfreie Krankenkost«, das zum diätischen Standardwerk wurde (15 Auflagen). Während des Ersten Weltkrieges diente Volhard zunächst als Marinearzt in Wilhelmshaven, übernahm jedoch nach kurzer Zeit die Leitung eines Reservelazaretts. Auf der Kriegstagung der Internisten in Warschau 1916 empfahl Volhard die Behandlung der kriegsbedingt grassierenden Nephritis (»Nierenwassersucht«) durch »Hunger und Durst«. Zunächst als Behandlungsmethode ignoriert, kam das Prinzip während des zweiten Weltkrieges in allen Armeen zum Einsatz. Auch die sowjetische Armee hatte die Behandlung nach Volhard eingeführt, so dass die Besatzungsoffiziere der Aufstellung einer Büste in Halle anlässlich seines 75. Geburtstages aufgeschlossen gegenüberstanden (Aktennotiz: »Er soll kommen und wird haben große Ehre«). Der auch von anderen Universitäten und verschiedenen Akademien hochgeehrte (1933 erhielt er als erster Deutscher nach dem Ersten Weltkrieg den Dr. h. c. der Sorbonne) starb an den Folgen eines Autounfalls.

Organisationen: 1917 Eintritt in die Vaterlandspartei; nach 1933 trat Volhard dem NS-Altherrenbund, der SA-Reserve II, dem NS-Bund der Kinderreichen, der NSV, dem VDA, und als Förderndes Mitglied der SS bei. Um seinen Sohn Hans zu schützen, stellte Volhard Mitte der 30er Jahre den Antrag, in die NSDAP aufgenommen zu werden. Dieser wurde jedoch gemeinsam mit seiner jüdischen Ehefrau ausgebürgert, Volhard zog den Aufnahmeantrag zurück. Außerdem war Franz Volhard Mitglied verschiedener Freimaurerlogen im Rang eines Meisters.

Quellen: Leopoldina-Archiv MM 3509 (F. Volhard); UAHW, Rep. 11, PA 1141 (F. Volhard); Lexikon der Naturwissenschaftler; Claudia Kronschwitz, Franz Volhard: Leben und Werk, Frankfurt am Main 1997.

Autor: HE

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