Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Gustav Warneck

geboren: 6. März 1834 Naumburg
gestorben: 26. Dezember 1910 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Nadlermeister

Gustav Warneck

Zunächst war Warneck als Geselle im Betrieb seines Vaters tätig. Von 1850 bis 1855 besuchte er, finanziell unterstützt durch einen Onkel, die Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle. Nach der Reifeprüfung studierte er an der Universität Halle Theologie. Geprägt durch August Tholuck öffnete er sich, so schreibt Bautz’ Kirchenlexikon, dem biblizistisch-heilsgeschichtlichen Denken und erlebte eine pietistische Bekehrung. Von 1858 bis 1862 unterrichtete er als Hauslehrer in Elberfeld und leitete das dortige Waisenhaus. In Elberfeld bekam er Kontakt zu führenden Vertretern der Rheinischen Missionsgesellschaft, trat jedoch wegen seiner schwachen Gesundheit zunächst eine Stelle als Hilfsprediger in Roitzsch bei Bitterfeld an. Ab 1863 war er Archidiakonus in Dommitzsch bei Torgau. Während des preußisch-österreichischen Krieges diente er als Feldprediger. 1871 promovierte Warneck an der Universität Jena mit der Dissertation »Pauli Bekehrung, eine Apologie des Christentums« zum Dr. phil. Bereits 1870 hatte er eine Stelle als Missionsinspektor in Barmen angetreten, um als Reiseprediger für die Rheinische Mission tätig zu werden. 1874 wurde Warneck Pfarrer in Rothenschirmbach bei Eisleben. 1896 ließ er sich vom Pfarrdienst entbinden und wurde zum ordentlichen Honorarprofessor für Missionskunde in Halle berufen. Ausschlaggebend für die Berufung war Warnecks organisatorische und publizistische Tätigkeit in der Mission. Er begründete 1874 die Allgemeine Missionszeitschrift und verfasste eine nahezu unüberblickbare Anzahl missionarischer und missionswissenschaftlicher Artikel, Broschüren und Bücher. Zwischen 1892 und 1903 erschien sein fünfbändiges Hauptwerk, die »Evangelische Missionslehre«. An der Universität begründete er ein Missionsseminar. 1879 rief Warneck die provinzialsächsische Missionskonferenz ins Leben, als Sekretär des Ausschusses deutscher Missionen gelang ihm 1903 die Schaffung eines Gesamtverbandes. Auch bei europäischen Missionskonferenzen war sein Einfluss spürbar. 1908 stellte er die Lehrtätigkeit auf eigenen Wunsch ein. 1910 wurde Warneck, der als Begründer der evangelischen Missionswissenschaft gilt, von den schwedischen Missionsgesellschaften für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. (Geehrt wurde der Schriftsteller Paul Heyse.) Warnecks Werk war von protestantischem Kampfgeist und einer antikatholischen Grundhaltung bestimmt. Seine Schriften zur »Heidenmission« entsprachen dem kulturimperialistisch-kolonialen Zeitgeist.

Organisationen: Warneck war Mitbegründer des Evangelischen Bundes.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 16665 (Warneck); Werner Raupp, Warneck, Gustav, auf: www.bautz.de; Arno Sames, Die »öffentliche Nobilitierung der Missionssache« – Gustav Warneck und die Begründung der Missionswissenschaft an der Theologischen Fakultät in Halle, in: Schnelle, Reformation und Neuzeit, S. 195–207.

Autor: HE

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