Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Wilhelm Weber

geboren: 28. Dezember 1882 Heidelberg
gestorben: 21. November 1948 Berlin
Konfession: evangelisch
Vater: Zimmermann

Wilhelm Weber

Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Heidelberg studierte Weber klassische Philologie und Geschichte an der Universität Heidelberg. 1906 legte er das Staatsexamen ab, 1907 promovierte er an der Universität Heidelberg mit der Dissertation »Die Adoption Kaiser Hadrians«. Danach war er als Lehrer an Gymnasien in Heidelberg und Rastatt tätig. 1908/09 war er Stipendiat des Deutschen Archäologischen Instituts und reiste nach Italien, Griechenland, Kleinasien, Syrien, Palästina, Ägypten und Spanien. 1911 reiste er nach Spanien, später führten ihn Studienreisen nach Frankreich, Holland, Belgien und mehrfach nach Italien, den Balkan und Kleinasien. Nach der Rückkehr von seiner Spanienreise habilitierte sich Weber für das Fach Alte Geschichte mit der Arbeit »Zwei Untersuchungen zur Geschichte ägyptisch-griechischer Religion«. 1912 erhielt er den Ruf auf ein Ordinariat für Alte Geschichte an der Universität Groningen (Niederlande). 1915 meldete er sich als Freiwilliger zum Dienst im deutschen Heer, beim Kriegseinsatz in Kurland und Litauen infizierte er sich mit Tuberkolose und wurde mit bleibenden Schäden entlassen. Seit 1916 lehrte er als besoldeter Extraordinarius in Frankfurt am Main. 1918 wurde er auf ein Ordinariat an der Universität Tübingen berufen. 1925 wechselte er nach Halle, 1931 an die Universität Berlin. Rufe nach Göttingen (1920) und Bonn (1928) lehnte er ab. 1946 wurde Weber emeritiert. Weber galt als Althistoriker von Rang. Er veröffentlichte zu ägyptisch-griechischen Terrakotten (1911/14), zu Josephus und Vespasian (1921), der antiken Religiosität (»Der Prophet und sein Gott«,1925) und zur Staatenwelt in der Frühzeit des Griechentums (1925) sowie zur römischen Geschichte (»Rom – Herrschertum und Reich im 2. Jahrhundert«, 1937). In seinen Arbeiten ersetzte Weber jedoch wissenschaftliche Analyse häufig durch aktuell determinierte Deutung und bediente sich, wie Burkhard Meißner urteilt, »einer gewaltigen, allzu oft gewalttätigen Schicksals- und Wesensrhetorik«. Seit 1917 engagierte er sich als Redner für die Vaterlandspartei, in Universitätsreden profilierte sich Weber nach 1918 als Anhänger der einstigen Staatsform (Antrittsvorlesung »Zur Geschichte der Monarchie«, 1919) und formulierte die Sehnsucht nach einen neuen Führer: »Wünschen wir uns und unserem Reich, dass der Erlauchte bald kommt!« Geradezu folgerichtig erscheint, dass Weber, mehr als andere Althistoriker dem nationalsozialistischen Führerkult huldigte. Seine Biographie des Kaisers Augustus (»Princeps – Studien zur Geschichte des Augustus«, 1935) geriet so zum Ausdruck eines ideologischen Programms vom Weltherrscher als Friedens- und Glücksbringer.

Quellen: BA R 4901/13279; Weber, Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft, S. 644; Burkhard Meißner, Forschung, Lehre und Organisation des Lehrstuhles für Alte Geschichte der Universität Halle im 20. Jahrhundert: Profilsuche zwischen Orient und Abendland, Mangel und Fluktuation. In: Rupieper, Beiträge, S. 233 ff.

Autor: HE

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