Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Bild für rechte Spalte: Reitersiegel-Binärcode

Georg Wehrung

geboren: 6. Oktober 1880 Dorlisheim (Elsass)
gestorben: 20. Januar 1959 Tübingen
Konfession: evangelisch
Vater: Volksschullehrer

Georg Wehrung

Nach dem Besuch von Gymnasien in Weissenburg und Buchsweiler studierte Wehrung Theologie in Straßburg. Hier legte er 1904 die erste theologische Prüfung ab. Nach Beendigung des Vikariats setzte er seine Studien in Jena und Berlin fort. 1907 promovierte er mit einer Arbeit über Schleiermacher in Straßburg zum Dr. phil. Von 1906 bis 1913 war er ­ als Nachfolger Albert Schweitzers ­ Leiter des Studienstiftes Collegium Wilhelmitanum in Straßburg. Eine Untersuchung zur philosophisch-theologischen Methode Schleiermachers aus diesen Jahren richtete sich folgerichtig an Studenten der Theologie. 1913 wechselte er als Pfarrer in den kirchlichen Dienst. 1915 promovierte er an der Universität Straßburg zum Lic. theol. und wurde hier im selben Jahr zum außerordentlichen Professor, ab 1916 mit Besoldung, ernannt. 1920, nach Vorlage einer größeren Studie zur Dialektik Schleiermachers, ernannte ihn die Universität Tübingen zum Dr. theol. h. c. Im selben Jahr folgte er einem Ruf auf ein Ordinariat für Systematische Theologie an der Universität Münster. Bereits 1921 setzte die hallische Theologische Fakultät Wehrung auf Platz drei der Berufungsliste, da sie seine Forschungen über Schleiermacher für »scharfsinnig« hielt, 1927 erhielt als Nachfolger Stephans die ordentliche Professur für Systematische Theologie. Neben Untersuchungen über Schleiermachers Hallenser Zeit arbeitete Wehrung hier an einer eigenen theologischen Konzeption (»Geschichte und Glaube«, Gütersloh 1933). 1930 nahm Wehrung einen Ruf nach Tübingen an. Gegenüber dem preußischen Wissenschaftsministerium führte er dafür gesundheitliche Gründe an und äußerte Dankbarkeit gegenüber dem Preußischen Staat, »der dem Elsässer vor 10 Jahren durch die Berufung nach Münster sein wahres Vaterland wiedergab«. An der Universität Tübingen amtierte Wehrung 1933/34 zurückhaltend und umsichtig als Dekan der Theologischen Fakultät, ohne jedoch die Machtübernahme der Nationalsozialisten zu kommentieren. Öffentlich Stellung nahm er jedoch gegen die sinngemäße Anwendung des Berufsbeamtengesetzes auf die Kirchen. Seine Reserviertheit gegenüber den Nationalsozialismus wurde in Schriften zur Aufgabe der Kirchen deutlich, im Januar 1935 schloss sich Wehrung der Freien Volkskirchlichen Vereinigung an, die bekenntniskirchliche Aktivitäten unterstützte. Für einen Lehrstuhl an einer größeren Universität kam Wehrung damit aus Sicht von nationalsozialistisch eingestellten Fachkollegen nicht mehr in Frage. 1937 veröffentlichte er eine, so formuliert es Matthias Wolfes in seinem Artikel über Wehrung in Bautz¹ Kirchenlexikon, »verheerende Kritik« am Nationalsozialismus. In dieser als »zeitgemäße Besinnung« apostrophierten Schrift maß Wehrung den Nationalsozialismus an der idealistischen Philosophie und machte so ihren menschenverachtenden Charakter deutlich. Im Oktober 1946 entpflichtet, führte Wehrung die Lehre bis zum Sommersemester 1953 als Emeritus fort. Politisch engagierte er sich in der westdeutschen Friedensbewegung: Er beteiligte sich an Aufrufen und Initiativen die auf die Gefahr eines Atomkrieges hinwiesen.

Organisationen: NSLB

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 16749 (Wehrung); Matthias Wolfes, Georg Wehrung auf: www.bautz.de; BA R 4901/13279

Autor: HE

Zum Seitenanfang