Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Arthur Weil

geboren: 3. Oktober 1887 Braunschweig
gestorben: 1969 im Staat New York USA
Konfession: jüdisch
Vater: nicht ermittelt

Arthur Weil

Weil besuchte Mittelschule, Realschule und Oberrealschule, die Abiturprüfung legte er 1906 in Hannover, das Latinum später extern ab. Er studierte Veterinärmedizin in München, Hannover und Berlin. 1910 erhielt er die Approbation als Veterinär, 1911 promovierte er in Berlin mit der Dissertation »Über den Gehalt ägyptischer Mumien an Eiweiß und Eiweißabprodukten« zum Dr. med. vet. Von 1911 bis 1913 arbeitete er als Assistent bei Emil Abderhalden in Berlin und in Halle. Danach studierte er Humanmedizin in Halle und Berlin. 1914 meldete sich Weil freiwillig zum Kriegseinsatz und diente als Veterinär im Gardekürassierregiment.. 1915 wurde ihm für Verdienste im Kampf um die Höhe von Combres an der Westfront das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Außerdem erhielt er im gleichen Jahr das Königlich Braunschweigische Verdienstkreuz. Während eines Fronturlaubs legte er die Staatsprüfung ab und wurde approbiert. 1917 promovierte er an der Universität Halle mit der Dissertation »Vergleichende Studien über den Gehalt verschiedenartiger Nervensubstanz an Aschebestandteilen« zum Dr. med. Im selben Jahr wurde Weil als Regimentsveterinär eingesetzt, ab 1918 im Rang eines Oberveterinärs. 1919 in seine Assistentenstelle am Physiologischen Institut der Universität Halle zurückgekehrt, habilitierte sich Weil mit der Arbeit »Die Quellung von Rinde und Leitungsbahnen des Großhirns als Funktion ihres chemischen Aufbaus« für das Fach Physiologie. Notwendig war dazu immer noch ein Dispens von § 4 des Universitätsstatutes vom 24. April 1854. Seine Antrittsvorlesung hielt er zum Thema »Der Einfluß der inneren Sekretion auf Wachstum und Form des menschlichen Körpers«. 1920 wurde Weil externer Referent für Physiologie an Magnus Hirschfelds Institut für Sexualforschung. Er engagierte sich im Vorstand des »Wissenschaftlich-humanitären Komitees«, das sich gegen die Strafverfolgung Homosexueller einsetzte. 1921 übernahm er die Leitung der radiologisch-organotherapeutischen Abteilung des Instituts und verzichtete in Halle auf die Venia legendi, da die Fakultät eine längerfristige Beurlaubung ablehnte. Weil baute die inkretorische Forschungsabteilung des Instituts auf und wurde Vorstandsmitglied der Hirschfeld-Stiftung. Im selben Jahr organisierte er den »ersten Internationalen Kongress für Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage«. 1922 gewann er das Preisausschreiben der Ärztlichen Gesellschaft für Sexualwissenschaft und Eugenik mit einer Arbeit über die Körpermaße von Homosexuellen, mit der deren konstitutionelle Besonderheit nachgewiesen werden sollte. 1922 gründete Weil eine »Gesellschaft für Geschlechtskunde« und reiste zu Studienzwecken in die USA. Nach seiner Rückkehr überwarf er sich mit Hirschfeld und siedelte in die USA über. Hier arbeitete er zunächst als Neuropathologe am Montefiore Hospital in New York. 1924 wurde er, durch Arbeiten zur Biochemie der Tiere und des menschlichen Gehirns sowie eine dreibändige Studie zur Endokrinologie (mehrere Auflagen in deutsch, englisch, spanisch und russisch) ausgewiesen, Assistent Professor für Neuropathologie an der Medical School der North Western University in Chicago. 1928 erhielt Weil den Status eines Associate Professors und wurde 1929 naturalisiert. 1933 veröffentlichte er ein Handbuch zur Neuropathologie. 1945 wurde er Consultant des Instituts für Pathologie beim Surgeon General der U. S. Army. Nach dem Krieg arbeitete er als Consultant für die U. S. Veterans Administration, vorwiegend als Gutachter für Hirnverletzte. Von 1949 bis zur Pensionierung 1954 war er Fellow der Academy of Medicine in New York.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 16777 (Weil); UAHW, Rep. 29, Nr. 271 Band 2; Who is Who in America Vol. 30; Who was who in America, Vol. VII; Online Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft.

Autor: HE

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