Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Bild für rechte Spalte: Reitersiegel-Binärcode

Karl Wernicke

geboren: 15. Mai 1848 Tarnowitz (Oberschlesien)
gestorben: 15. Juni 1905
Konfession: evangelisch
Vater: nicht ermittelt

Karl Wernicke

Der, so die Universitätschronik, »von Haus aus mittellose« Wernicke besuchte die Bürgerschule Tarnowitz, später Gymnasien in Oppeln und Breslau. Er studierte Medizin und promovierte 1870 an der Universität Breslau mit der Dissertation »Erkrankung der inneren Kapsel: Ein Beitrag zur Diagnose der inneren Herderkrankungen« zum Dr. med. (gedruckt 1875). Er nahm als Arzt am Krieg gegen Frankreich teil und erhielt nach der Rückkehr 1871 die Approbation als Arzt. Kurze Zeit war er Assistent an der Augenklinik der Universität Breslau, danach Assistent in der inneren Station des Allerheiligenspitals Breslau. Er wechselte an die psychiatrische Klinik der Charité und habilitierte sich 1876 an der Universität Berlin für Psychiatrie und Nervenkrankheiten mit der Arbeit »Das Urwindungssystem des menschlichen Gehirns: systematische Untersuchung des Faserverlaufs im Gehirn«. Obwohl Wernicke mit einer bereits zwei Jahre vorher Aufsehen mit einer Untersuchung über Gehirnverletzungen hohes Ansehen erwarb – die nach ihm benannte Wernicke-Aphasie (sensorische Aphasie) ist eine durch Läsion der ersten linken Temporalwindung bedingte Beeinträchtigung des Sprachverständnisses – musste er die Universitätsklinik nach Auseinandersetzungen im Kollegenkreis 1878 verlassen. Wernicke ließ sich als praktischer Nervenarzt nieder, 1881 veröffentlichte er ein Lehrbuch der Gehirnkrankheiten. Trotzdem dauerte es bis 1885, bis er ein besoldetes Extraordinariat an der Universität Breslau erhielt. Zugleich wurde ihm die Leitung der städtischen psychiatrischen Klinik übertragen. 1890 wurde er zum persönlichen ordentlichen Professor mit dem Gehalt eines Extraordinarius ernannt. In Breslau entstand ein umfassenden Werk zur Psychiatrie, in dem sich Wernicke als selbstständiger Denker zeigte, der auf gängige Lehrmeinungen keine Rücksicht nahm (3 Bände 1894, 1896, 1900). Mittlerweile als Entdecker des Sprachzentrums im Gehirn anerkannt, erging 1904 von der Medizinischen Fakultät der Universität Halle der Ruf auf das durch den Rücktritt Theodor Ziehens vakante Ordinariat für Psychiatrie. Wernicke wurde bei einer Radfahrt bei Dörrberg im Thüringer Wald von einem Lastfuhrwerk überfahren und so schwer verletzt, dass er zwei Tage später starb.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 16941 (Karl Wernicke); Lexikon der Naturwissenschaftler, S. 419.

Autor: HE

Zum Seitenanfang