Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Ottomar Wichmann

geboren: 13. Mai 1890 Zerbst
gestorben: 23. Oktober 1973 Kalkutta (Indien)
Konfession: evangelisch
Vater: Gymnasialprofessor

Ottomar Wichmann

Das Dessauer Friedericianum verließ Wichmann 1909 mit dem Zeugnis der Reife. Er studierte in Tübingen und Bonn Philologie, Philosophie und Geschichte, widmete sich aber auch den Naturwissenschaften und der Mathematik. 1911 bis 1913 hielt er sich in Italien auf. Ostern 1913 legte er in Halle das pädagogische Staatsexamen für die Fächer Griechisch, Italienisch und Geschichte ab. Danach arbeitete er im Institut für Zoologie an der Universität Halle, ab Sommer 1914 gehörte er dem pädagogischen Seminar in Dessau an, setzte jedoch seine zoologischen Studien in Halle fort mit der Absicht zu promovieren. Als Kriegsfreiwilliger war Wichmann an der Westfront eingesetzt, 1915 wurde er verwundet und mit dem Anhaltischen Friedrichskreuz dekoriert. Da sein rechter Arm steif blieb, entließ ihn die Armee und Wichmann kehrte in den Schuldienst zurück. Den Unterricht nutzte er zu psychologisch-pädagogischen Studien, 1918 wurde sein Vorschlag zur Neugestaltung des altsprachlichen Unterrichts vom Berliner Vereins der Freunde des Humanistischen Gymnasiums publiziert. Auch die philosophischen Interessen pflegte Wichmann weiterhin, 1917 promovierte er an der Universität Halle mit einer Arbeit über Platons Lehre vom Genie. Zu Ostern 1918 wechselte Wichmann an die Lateinische Hauptschule der Franckeschen Stiftungen in Halle. Zu Ostern 1919 gab er den Schuldienst auf, um sich auf eine philosophische Lehrtätigkeit vorzubereiten. Im Herbst 1919 reichte er seine Habilitationsschrift über »Platon und Kant« ein. Die Probevorlesung hielt er zu Problemen intellektueller und moralischer Wertungen in der Ethik, die Antrittsvorlesung zum Problem »Philosophie und Politik«. 1919/20 war Wichmann als Zeitfreiwilliger an der Niederschlagung der kommunistischen Aufstände in Mitteldeutschland beteiligt. 1922 erhielt er einen Lehrauftrag für praktische Pädagogik und Dialektik. Wichmann veröffentlichte in der Folgezeit sowohl philosophische Werke (1922 »Wille und Freiheit«, 1923 »Sozialphilosophie«) als auch pädagogische Schriften (1930 »Eigengesetz und bildender Wert der Lehrfächer« (1930, 2. Auflage 1964), 1930 »Kulturkunde als Gesamtanschauung«). 1930 erhielt er den Titel eines nichtbeamteten außerordentlichen Professors, 1931 übernahm er die Leitung des Religionspädagogischen Institutes in Berlin-Nikolassee und habilitierte sich an die Universität Berlin um. 1934 musste das Institut schließen, so dass Wichmann auf Einkünfte aus einem Lehrauftrag an der Universität Berlin angewiesen war. 1939 wurde er zum planmäßigen außerordentlichen Professor der Universität Wien ernannt. 1945 ausgewiesen war Wichmann lange Zeit als freiberuflicher Schriftsteller tätig. In den 1950er Jahren erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Tübingen. Als Mitarbeiter des pädagogischen Seminars wurde er 1961 emeritiert. 1966 erschien sein Buch »Platon. Ideelle Gesamtdarstellung und Studienwerk«. Wissenschaftlich ausgewiesen war Wichmann lediglich durch seine Studien über Platon. In seiner Publizistik gab er sich als antimarxistischer, völkischer und zugleich christlicher Sozialist. Zugleich propagierte er seit der Zeit der Weimarer Republik die antisemitischen Vorstellungen Houston Stewart Chamberlains. Von NSDAP-Stellen wurde er trotzdem als ein Philosoph betrachtet, der »der heutigen Generation nicht mehr zu sagen« habe.

Organisationen: 1933 NSLB, 1934 SA, 1937 NSDAP

Quellen: UAHW, Rep. 21, Abt. III Nr. 149; Kürschner; BA R 4901/13280; Tilitzki, Universitätsphilosophie, S. 173, 400, 755, Anhang.

Autor: HE

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