Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Alfred Zastrau

geboren: 28. Juni 1906 Golzow (Oderbruch)
gestorben: 28. Juli 1981 Berlin (West)
Konfession: evangelisch-lutherisch, 1938 Kirchenaustritt
Vater: Gartenarchitekt

Alfred Zastrau

Die Reifeprüfung bestand Zastrau 1924 in Berlin. Ein Studium der evangelischen Theologie schloss sich an, 1925 brach er das Studium aus, wie er in einem Lebenslauf schrieb, »grundsätzlichen Erwägungen« ab. Von 1925 bis 1927 studierte er Musik und Musikwissenschaft in Berlin, dieses Studium brach er »aus wirtschaftlichen Gründen infolge des Todes der Mutter« ab, der Vater war im Ersten Weltkrieg gefallen. Danach arbeitete Zastrau als Landarbeiter, Kanalisationsarbeiter, Siedlungshelfer, Bergwerksarbeiter, Kraftdroschkenfahrer, Hauslehrer, Redaktionsgehilfe, Privatsekretär usw. 1928 begann er erneut ein Studium, diesmal der Germanistik, Musikwissenschaft, Geschichte und Philosophie an den Universitäten Berlin und Königsberg. Von 1929 bis 1933 wurde er durch die Studienstiftung des deutschen Volkes unterstützt, später erhielt er ein Darlehen vom Studentenwerk. 1935 promovierte er mit einer Arbeit über das Rolandslied zum Dr. phil. 1933/34 war Zastrau Mitarbeiter des Grenzland- und Volkstumswerkes Ostpreußen, später Landesamtsleiter des Bundes Deutscher Osten in Königsberg. Ab Mai 1935 arbeitete Zastrau als Gauvolkstumswart für Ostpreußen und Hauptabteilungsleiter der Nationalsozialistischen Kulturgemeinde in Ostpreußen. Ab März 1936 war er Mitarbeiter der Gaupropagandaleitung (Hauptstelle Kultur) in der Gauleitung Ostpreußen. 1937 siedelte er nach Zerwürfnissen mit NSDAP-Führern nach Göttingen über. Obwohl er von einem Königsberger Professor für »politisch untragbar« erklärt wurde, erhielt Zastrau Beihilfen der DFG und des Wissenschaftsministeriums. Nach Auseinandersetzungen mit Parteistellen in Göttingen kam Zastrau nach Halle und erhielt hier ein Stipendium der Hallischen Wissenschaftlichen Gesellschaft aus den Mitteln der Alfred-Rosenberg-Stiftung. Als »politisch untragbar« wurde er von einem Forschungsvorhaben des SS-Ahnenerbes ausgeschlossen. 1939 eingezogen, diente Zastrau zunächst als Kommandant eines Stabsquartiers. Später war er auf den Nordseeinseln Hörnum und Sylt eingesetzt und nahm an Feldzügen in Nordafrika und Sizilien teil. Durch Einsprüche des Anglisten Hans Weyhe konnte sich Zastrau erst 1943 habilitieren. 1944 wurde er zum Dozenten für Sprachwissenschaften ernannt, jedoch nicht beurlaubt. 1945 verwundet, wurde er im Juni 1945 aus der Gefangenschaft entlassen. Im Januar 1946 von der Universität Halle entlassen, erhielt er nach kurzer Tätigkeit als Lehrer 1951 einen Lehrauftrag für deutsche Sprach- und Literaturgeschichte an der PH Berlin-Lankwitz. 1954 wurde er Privatdozent an der TU Berlin und dort 1956 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. 1961/62 war er Professor in Ankara.

Organisationen: Im Mai 1933 Eintritt in die SA, 1937 Aufnahme in die NSDAP (Mitglied Nr. 4 610 451), RLB.

Quelle: UAHW, Rep. 11, PA 17439 (Zastrau).

Bild: UAHW

Autor: HE

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