Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Johann Friedrich Meckel von Hemsbach (der Jüngere)

geboren: 17. Oktober 1781 Halle
gestorben: 31. Oktober 1833 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Universitätsprofessor Philipp Friedrich Theodor Meckel (1755-1803)

Johann Friedrich Meckel von Hemsbach (der Jüngere)

Meckel besuchte die Domschule in Magdeburg (Reifeprüfung 1798) und studierte an der Universität Halle Medizin, besonders Arzneikunde bei Kurt Sprengel (1766-1833) sowie Anatomie bei Johann Christian Reil (1759-1813) und seinem Vater Philipp Friedrich Theodor Meckel (1755-1803) sowie Sprachen (später übersetzte er aus dem Englischen, Italienischen, Französischen und Lateinischen). 1801/02 verbrachte er zwei Semester an der Universität Göttingen, wo er vor allem Anatomie bzw. Anthropologie bei Johann Friedrich Blumenbach sowie Entbindungskunst studierte. 1802 promovierte er an der Universität Halle mit einer Dissertation über abweichend gestaltete Herzen (»De cordis conditionibus abnormibus«) zum Dr. med. Eine Studienreise führte ihn nach Würzburg und Wien. Die Nachricht vom Tod des Vaters zwang ihn 1803 zur Rückkehr. Entsprechend dem letzten Willen des Vaters skelettierte er dessen Leichnam und stellte ihn in der familieneigenen Sammlung auf. Nach der Regelung des Nachlasses reiste er nach Paris, um sich bei dem Anatomen Georges Cuvier weiterzubilden (dessen Leçons d’Anatomie übertrug er 1809 ff. ins Deutsche).

Ab Herbst 1803 bot Meckel laut Vorlesungsverzeichnis als Privatdozent Veranstaltungen an. Im Mai 1804 wurde er auf Betreiben Reils zum außerordentlichen Professor der Universität Halle ernannt. Im folgenden Semester bot er noch einmal Vorlesungen an, ging erneut auf Reisen undkehrte erst zur Wiedereröffnung unter französischer Herrschaft 1808 nach Halle zurück. Im März desselben Jahres folgte die Ernennung zum Ordinarius für Anatomie, pathologische Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe. Ab 1810 lehrte er überwiegend Anatomie.
Meckel publizierte vor allem über Abnormitäten und gilt als Begründer der Teratologie, der wissenschaftlichen Lehre von den Missbildungen (u. a. Beschreibung einer Fehlbildung des menschlichen Embryos – »Meckel-Syndrom« – und der häufigsten Abnormität des Magen-Darm-Traktes – »Meckel-Divertikel«). Durch diese Forschungen und Studien zur Entwicklung von Embryonen (u. a. klärte er die Epigenese des Huhnes im Ei und die Herausbildung des menschlichen Unterkiefers aus einem Knorpel, »Meckel-Knorpel«) widerlegte Meckel die gängige Auffassung, dass im Ei bereits der Körper »eingeschachtelt« wäre und sich während der Reife lediglich »entfalte«. Darüber hinaus baute er die väterliche Sammlung aus und veröffentlichte maßgebliche zusammenfassende Schriften für sein Fachgebiet (u. a. »Handbuch der pathologischen Anatomie«, 4 Bände, 1812–1820; Beiträge zur vergleichenden Anatomie, 2 Bände, 1808 und 1812; »System der vergleichenden Anatomie«, 6 Bände, 1821–1831). Ab 1815 gab er Reils Archivs für Physiologie mit heraus.

Meckel heiratete 1809 Friederike von Kleist (1789-1874) in Halle. Sie war die Tochter des preußischen Obersts Friedrich Wilhelm von Kleist (1752-1822). Der Erwerb des Bürgerrechts konnte nicht nachgewiesen werden.

Geehrt wurde Meckel, der u. a. vom russischen Zarenhaus zu Rate gezogen wurde, mit dem Roten Adler-Orden 3. Klasse, dem Eisernen Kreuz und den Russischen Wladimir-Orden 4. Klasse. 1967 wurden Meckels Gebeine exhumiert und in »seine«, mittlerweile zur Universität gehörende, anatomische Sammlung eingegliedert, so dass sie, ebenso wie das Skelett Philpp Meckels, heute noch für Studienzwecke zur Verfügung stehen.

Organisationen:

1820 Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft Halle

1828 Mitglied der Akademie der Naturforscher Leopoldina

Quellen: ADB, Band 21, S. 159ff.; Michael Viebig und Rüdiger Schultka, Die Anatomen Meckel, Zur Genealogie einer halleschen Ärztefamilie (Zeitschrift für Heimatforschung, Beiheft 5), o. J.; Helmke Schierhorn, Johann Friedrich Meckel d. J. als Begründer der wissenschaftlichen Teratologie (Manuskript), in: Leopoldina-Archiv MM 1324 (Meckel); NDB, Band 16, S. 585 f.; StAH FA, Nr. 2586; UAHW Rep 3, Nr. 244 Acta continuata betreffend die Anstellung der Professorum Medicinae ordinariorum et extraordninariorum (1797-1805).

Autor: HE/JS

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