Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Philipp Ernst Bertram

geboren:1726 Zerbst
gestorben:13. Oktober 1777 Halle
Konfession:
Vater:Stadtphysikus in Zerbst

Philipp Ernst Bertram

Nach dem Besuch der Schule in Zerbst schrieb Bertram sich am 13. Mai 1743 an der halleschen Universität für die Jurisprudenz ein. Bertram gab 1746 die Schrift „Philosophische Untersuchung von dem Zustande der Menschen in der Erbsünde" heraus, die im Grunde eine Übersetzung von Adrian Beverlands (1650-1716) Skandalerfolg war. Aufgrund der Herausgabe dieser Schrift wurde er von der Universität verwiesen. Er bekam die Möglichkeit, als Pagenhofmeister des Erbprinzen von Sachsen-Weimar an die Universität Jena zu gehen, wo er sich am 3. Mai 1746 immatrikulierte.

1753 wurde Bertram Regierungssekretär in Weimar. Am 25. April 1762 erhielt Bertram den Ruf als „Professor juris publici et Historiarum honorario".  Offensichtlich gab es Schwierigkeiten auf Seiten der Universität, wie man mit diesem Titel umzugehen hatte. Daher erfolgte am 21. Juni 1762 die Anweisung des Königs, „den Prof. honorario Bertram gleich denen Professoribus extraordinariis zu introduciren und ihm den Platz nach den Prof. extra. anzuweisen, zu welchen er sich durch Erlangung der Doctor Würde legitimiren wird". Im selben Jahr hatte er zunächst den Magistertitel erlangt. Im April 1764 erfolgte die nächste Anweisung des Königs, den Prof. Bertram zu promoviren und ihn im Sommerhalbjahr seine Vorlesungen halten zu lassen. Am 12. September 1764 wurde Bertram schließlich zum ordentlichen Professor des Staatsrechts und der Geschichte berufen, wobei ihm dieses Mal ein Gehalt festgesetzt wurde. Promoviert wurde er jedoch erst im Dezember 1765.

Bis 1771 war Bertram Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek. Vermutlich hatte er das Amt 1771 von dem Philosophieprofessor Christian Adolph Klotz (1738–1771) nach dessen Tod übernommen. Ab 1772 gab er die „Hallische Gelehrte Zeitung" heraus. Im April 1777 erwarb er das hallesche Bürgerrecht.

 

In seiner Leichenpredigt findet sich das folgende Gedicht:

 

„Und hörten wie auch nicht der Gattinn [sic!] laute Klagen,

Ihr Angstgeschrey, das durch die Lüfte dringt;

Säh’n wir auch nicht die Schaar verwaister Kinder klagen,

Die vaterlos die Hand am Sarge ringt:

So weinte doch aus uns der Schmerz,

Und Bertram’s Tod durchdrang entseelend unser Herz.

 

Ach! Bertram’s! – Ach! warum war Er dir ausersehn,

O Todesengel? – Er, der würd’ge Mann!

Da so viel Menschen deinem Flammenaug entgehen,

Die ohne Leid die Welt entbehren kann;

Die seiner Gattin Wimmern hält;

Für die kein flehend Kind sich dir entgegenstellt.

 

Der Mann, der jede Stund’ im Dienst der Welt verlebte,

Dem ungenützt kein Augenblick entwich;

Der, edles Triebes voll, nach dem Verdienste strebte,

Zu leben Seiner Pflicht – nicht Sich

Den, gros durch Wissenschaft und Geist,

Friedericianens Schmerz in Seinem Tode preist;

 

An dessen Gruft sich Themis (?) und Geschicht’ umfassen,

Laut weinen, und Ihn nennen ihren Sohn,

Und ihren Priester: - ach! muß Bertram schon erblassen?

Und ach! ist unser Lehrer uns entflohn?

Den nichts, auch sieche Tage nicht,

Entfesselten dem thät’gen Eifer Seiner Pflicht!

 

Wie stark, wie sachenvoll, wie gründlich, floß von Seinen

(Oft kranken!) Lippen goldner Unterricht!

Und ach! sie sind erblaßt! – Laßt, Freunde, laßt uns weinen!

Bey Bertram’s Grab ist Weinen Ehr – ist’ Pflicht!

Sein Lobgesang sey unser Schmerz!

Sein Denkmal sey, so lang es klopfet, unser Herz!

 

In bessern Welten lebt Sein Geist, und schaut hernieder –

O Gattinn! Kinder! – schaut auf Euch herab!

Auf uns, o Freunde, auch! – O! wenn in Seine Lieder

Einst unser Geist, hoch über Tod und Grab

Entschwunden, sich zu mischen strebt:

So ist Elysium uns da, wo Bertram lebt."

 

Organisation: Deutschen Gesellschaft Göttingen.

Quellen: ADB, Bd. 2, S. 551; Ersch/Gruber, 1. Sekt., Theil 8, S. 243; Förster, S. 196f.; Köhler, Otto: Die Matrikel der Universität Jena. Bd. III 1723–1764. Halle 1969–1981. S. 478; Stadtarchiv Zittau, Zitt. 71, B 186, Leichenpredigt ohne Autor; UAHW Originalmatrikel vor 1744, Bd. I, Bl. 96; UAHW Rep 3, Nr. 242, Bestallung und Besoldung der Professoren der Juristischen Fakultät Bd. 3 (1755-1805).

Autor: JS

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