Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Friedrich Hoffmann

Friedrich Hoffmann

geboren:19. Februar 1660 Halle
gestorben:12. November 1742 Halle
Konfession:evangelisch
Vater:Friedrich Hoffmann (1626-1675), Arzt

Friedrich Hoffmann

Friedrich Hoffmann wurde zunächst im väterlichen Hause privat unterrichtet und schon früh in die Medizin eingeführt. Beide Eltern verstarben jedoch an einer Krankheit, als Hoffmann 15 Jahre alt war. Er kam in die Obhut eines Onkels und besuchte weitere drei Jahre das hallesche Gymnasium. Zum Studium ging er nach Jena - in Halle gab es zu diesem Zeitpunkt keine Universität. Vor allem hörte er mathematische und medizinische Vorlesungen. Zwei Jahre später wechselte er nach Erfurt, kehrte aber 1681 nach Jena zurück, wo er am 5. Februar in der Medizin promoviert wurde.

Zunächst arbeitete Hoffmann in Jena als Privatdozent in der Medizinischen Fakultät. Dann erhielt er in Minden, wo er Verwandte hatte, eine Stelle als Arzt. In dieser Zeit unternahm er eine Studienreise durch England und Holland - zwei durchaus übliche Ziele für die Grand Tours dieser Zeit. Er kehrte nach Minden zurück und wurde Garnisionsarzt, später Hofmedicus und Landphysikus - heute würde man dies als Amtsarzt bezeichnen - des Herzogtums Minden.

1687 beriefen ihn die Landstände des Fürstentums Halberstadt als Landphysikus. Damit befand er sich nun erstmals in brandenburgischen Diensten und machte sich schnell einen Namen, so dass ihn der Kurfürsten von Brandenburg 1693 als ersten Professor der praktischen Medizin und der Physik an die neugegründete Universität Halle berief. 1709 machte Friedrich Wilhelm I. Hoffmann zu seinem Leibarzt. Dieses Amt verlor er bald zwar wieder, dennoch zogen ihn zahlreiche Herrscherhäuser bei Krankheiten zu Rate. Auch wurde er 1734 zum Geheimen Rat ernannt, nachdem er Friedrich Wilhelm I. von einer Krankheit heilen konnte.

Hoffmann hat in Halle eine ganze Schule begründet. Er hat mehrere Hundert Studenten promoviert. Außerdem gilt er als einer der bedeutendsten Vertreter der sogenannten Iatrophysik. Diese Lehre geht auf das frühe 17. Jahrhundert zurück. Auch Rene Decartes war einer ihrer Vertreter. Man stellte sich den Menschen als eine Maschine vor. Die Funktionen und auch die Dysfunktionen des Körpers beruhen auf mechanischen und physikalischen Gesetzen, so die Vorstellung. Und so sollten Krankheiten auch auf diesem Wege geheilt werden.

Hoffmann hatte seinen schärfsten Kritiker in der eigenen Institution: Georg Ernst Stahl (1659-1734), ebenfalls Professor in Halle, zweifelte schwer an der mechanischen Auffassung. Für ihn bestand der Körper aus einem Mischung aus Fasern und Säften, die abhängig vom seelischen Zustand aus dem Gleichgewicht geraten konnten. Der Streit zwischen den beiden führenden Köpfen der Medizinischen Fakultät dürfte einen bedeutenden Beitrag zum Ruf und zur Anziehungskraft der halleschen Hochschule in ihren ersten Jahrzehnten geleistet haben.

Hoffmann heiratete 1689, in seiner Halberstädter Zeit, Anna Dorothea Herstell (1673-1737) im Harzer Bergbaustädtchen Zellerfeld. Herstell war die Tochter des dortigen Apothekers. Das Paar hatte mehrere Kinder, von denen jedoch vier das Kleinkindalter nicht überlebten. Ein Sohn, Friedrich Hoffmann jun. (1703-1766), wurde ebenfalls Professor der Medizin in Halle. Im Februar 1694 erlangte Hoffmann das hallesche Bürgerrecht.

Organisationen:

1696 Mitglied der Akademie der Naturforscher Leopoldina

1701 Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Künste Berlin

1720 Mitglied der Royal Society for Improving Natural Knowledge

1731 Mitglied der Akademie der Wissenschaften St. Petersburg

Bild: Zentrale Kustodie, MLU Halle-Wittenberg

Quellen: ADB, Bd. 12, Leipzig 1880, S. 584-588; Dreyhaupt, S. 636-640; Jauernig, Reinhold/Steiger, Marga: Die Matrikel der Universität Jena, Bd. 2 (1652- 1723), Weimar 1977, S. 415; Förster, S. 224f.; NDB, Bd. 9, Berlin 1972, S. 416ff.

 

Autorin: JS

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