Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Georg Friedrich Meier

geboren:29. März 1718 Ammendorf (bei Halle)
gestorben:21. Juni 1777 Giebichenstein (bei Halle)
Konfession:evangelisch
Vater:Gebhard Friedrich Meier, Pfarrer in Ammendorf

Georg Friedrich Meier

Meier besuchte ab 1727 die Schule der Franckeschen Stiftungen, wurde aber aufgrund seiner Epilepsie mehrfach für längere Zeit auch zu Hause unterrichtet. Bereits im Juni 1730, also noch als Schüler, wurde Meier an der Universität Halle immatrikuliert und hörte dort schon erste Kollegs. Ab 1735 studierte er schließlich Theologie sowie Philosophie und war gleichzeitig als Lehrer am Waisenhaus tätig.

Am 25. April 1739 schloss Meier das Studium mit dem Magistertitel ab und arbeitete als Privatdozent weiterhin an der Universität. Damit begann er seine akademische Laufbahn in einer für die Universität Halle spannenden Zeit, die Meier von nun an mitprägte. 1739/40 ging sein Lehrer Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1762) nach Frankfurt/Oder und hinterließ eine Lücke, in die Meier einspringen konnte. Zudem kehrte der vertriebene Christian Wolff (1679-1754) 1740 an die Universität zurück. Der Wolffianer Meier hielt in vielen Bereichen Vorlesungen, die auch Christian Wolff abdeckte. Und Meier hatte zudem großen Zulauf, während Wolff nicht mehr an seine Erfolge vor der Vertreibung anknüpfen konnte.

Am 11. April 1746 wurde Meier zum außerordentlichen Professor für Philosophie und zwei Jahre später, am 10. Dezember 1748, zum ordentlichen Professor in Halle ernannt. Einen gleichzeitig erfolgten Ruf nach Göttingen schlug er aus. Meier gilt neben Baumgarten als einer der ersten, die sich wissenschaftlich mit der Lehre der Ästhetik beschäftigten.

Seit dem 9. Juni 1750 war Meier mit Johanna Concordia Heermann verheiratet. Sie war die Tochter von Valentin Heermann, der Pfarrer in Spröda bei Delitzsch war. Das Paar blieb kinderlos. Seit November 1759 übernahm Meier das Amt des Kirchenältesten bei der Ullrichsgemeinde in Halle.

Meier unterhielt eine enge Freundschaft zu dem Universitätskanzler Carl Christoph von Hoffmann (1735–1801). Ihm gehörte das Schloss und der Park in Dieskau, in dem sich beide häufig trafen. Nach Meiers Tod ließ von Hoffmann an einer für die beiden bedeutenden Stelle - sie erhielt später den Namen „Meiers Höhe“ - ein steinernes Denkmal setzen. Dies bestand aus einer Urne mit der Inschrift: "[…] Dem Professori Georg Friedrich Meier / seinem Lehrer und Freunde / Hofmann“. Dieses Denkmal ist eines der sehr frühen öffentlichen Denkmäler in Deutschland.

Das Kirchenkollegium der Ulrichsgemeinde ließ das folgende Totengedicht für Meier nach dessen Tod drucken:

"O selig, wer bey jedes Tages Ende

Zufrieden sagen kann: ich habe gelebt!

Wer dann getrost zum Himmel seine Hände

Erheben kann, der heiter über ihm schwebt!

Entschlummern kann, in das Gefühl gehüllt,

Daß er sein Loos auch heut erfüllt!

 

O selig, wer bey seines Lebens Ende

Voll Ruhe sagen kann: ich habe gelebt!

Wer dann getrost zum Himmel seine Hände

Erheben kann, zu dem sein Geist sich erhebt!

Enschlummern kann, in das Gefühl gehüllt,

Daß er sein Loos nun ganz erfüllt.

 

Ach! das ist Er! – Wer kennt in diesen Zügen

Nicht Meiern? – Ach! das Urbild raubt uns das Grab!

Du frische Gruft, wo Meiers Reste liegen,

Zu dir fließt unsre stille Thräne hinab!

O! wenn ein Meier stirbt – ein Menschenfreund

Dann ist es nie zu viel geweint.

 

O Philosoph! – wer hat ihn mehr verdient,

Den hohen ehrenvollen Namen, als Du?

Du, dessen Ruhm einst noch der Nachwelt grünet,

Der Ruhm des Mannes, der voll denkender Ruh,

Der Wahrheit prächtig Reich, der Welt zum Glück,

Durchschaute mit geschärftem Blick!

 

Dem tausend ihren Geist und ihre Herzen

Verdanken, und sich des im Himmel noch freun!

Der Christ und Philosoph in Freud’ und Schmerzen

Durchs ganze Leben war! – der, glücklich zu seyn,

Den Quell in Gott und in sich selber fand

Den Quell, dem Weisen nur bekannt!

 

Des Mannes, der von Menschenliebe brannte;

Der stets um Andrer Wohlergehen sich veridente

Zu machen strebte; der die Größe kannte,

Die sich dem Wesen gleich zu werden erkühnt,

Das alle Menschen wünscht beglückt zu seyn!

Ist Heldennachruhm wohl so schön?

 

Nun ist er fort, und sättigt aus der Fülle

Der ew’gen Weisheit Seinen reineren Blick;

Und in Gefilden wonnerecher Stille

Umkränzet Seine Schläf’ ein ewiges Glück!

O! die Ihr weint! – o Gattin! – Tochter! – Sohn!

Wagt einen Blick zu Gottes Thron!

 

Dort allt Ihr einst an seine Brust, mit Zähren

Der Freude. – Fühlt, o fühlt die Scene schon hier!

O Schwater! Brüder! Dühlt! In seinen Sphären

Seht Ihn, mit Herrlichkeit umgeben, auch Ihr!

Wer Meiern kannte – (Meiern! Welch ein Glück!)

Empor, empor den Thränenblick!

 

Empor auch wir! die wir, mit Ihm vereinigt,

Sein Herz für Gotteshaus und Religion

So zärtlich brennen sahn! – Einst ward, gereinigt,

Im Hause Gottes, vor des Heiligen Thron,

Sich, Meier, unsre Freundschaft sanft verneu’n,

Und ewig unzertrennlich seyn!"

 

Organisationen:

1744 Mitglied der Deutschen Gesellschaft Greifswald

1748 Mitglied der Deutschen Gesellschaft Jena

1751 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften Berlin

1753 Mitglied der Deutschen Gesellschaft Göttingen

Bild: Stich von Gottfried August Gründler, um 1750

Quellen: ADB, Bd. 21, Leipzig 1885, S. 193-197; Dreyhaupt, S. 668; Förster, S. 243; Lange, Samuel Gotthold: Leben Georg Friedrich Meiers. Halle 1778; Leichepredigt Georg Friedrich Meier, Christian-Weise-Bibliothek Zittau (Zitt. 71 Kapsel M 9); MV Halle I, S. 287; NDB, Bd. 16, Berlin 1990, S. 649ff.; StAH FA Nr. 839; UAHW Rep 3, Nr. 248 Ernennung der ordentlichen und außerordentlichen Professoren der Philosophischen Fakultät (1732-1764).

Autorin: JS

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