Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Johann Heinrich Schulze

geboren:12. Mai 1687 Colditz
gestorben:10. Oktober 1744 Halle
Konfession:evangelisch
Vater:Matthias Schulze (1638-1718), Schneider und Imker in Colditz

Johann Heinrich Schulze

Schulze stammte aus unvermögenden Verhältnissen – der Vater war einfacher Schneider und die Familie hatte allein elf Kinder zu versorgen. Schon früh fiel Schulze aufgrund seiner Sprachbegabung auf. Mit diesen Voraussetzungen war er prädestiniert für die Aufnahme in Franckes Anstalten und so ging Schulze den typischen Weg: seit 1697 konnte er die dortigen Schulen besuchen. Am 26. April 1704 schrieb er sich für das vergleichsweise günstige Theologiestudium ein. Auch erhielt er als sogenannter Freitischler Kost und Logis. Später wechselte er in die Medizinische Fakultät. Ab 1708 war er als Informator am Waisenhaus tätig und unterrichtete die Botanik und Anatomie, die griechische und die hebräische Sprache. Ab 1715 kam er als Gehilfe im Hause des berühmten Mediziners Friedrich Hoffmann (1660-1742) unter. 1717 promovierte er bei ihm und war anschließend als Privatdozent tätig.

1720 erhielt Schulze einen Ruf als Professor sowohl der Medizin als auch der griechischen Sprache in Altdorf. Hier wirkte er bis 1732 bis ihn der preußische König zum ordentlichen Professor sowohl der Medizin als auch der Beredsamkeit an die Philosophischen Fakultät nach Halle berief. Er hatte beide Professuren parallel inne, erhielt aber in den ersten Jahren zunächst nur für die letztere ein Salär.

Schulze beschäftigte sich zum ersten Mal wissenschaftlich mit der Geschichte der Medizin. Auch hielt er erstmals in Deutschland Vorlesungen über die Numismatik. Zudem entdeckte er in zahlreichen Experimenten die Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen und gilt so als der „Ahnherr“ der Fotografie. Die NDB bezeichnet ihn als „einen der gelehrtesten Männer seiner Zeit“.

Schulze war seit 1719 mit Anna Sophia Corvinus (1701-1766) verheiratet. Sie war die Tochter von Andreas Albert Corvinus (1650-1740), einem Pfarrer in Colditz. Das Paar hatte sieben Kinder, denen der Sprung in die Oberschicht der halleschen Gesellschaft gelang. Der Sohn Johann Ludwig Schulze (1734-1799) wurde ebenfalls Professor in Halle; die Tochter Dorothea Catharina Helena (geb. 1729) heiratete 1745 den halleschen Professor der Medizin, Botanik und Chemie, Christoph Carl Strumpff (1712-1754). Im März 1738 erlangte Schulze das hallesche Bürgerrecht.

Organisationen:

1721 Mitglied der Leopoldina

1729 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und Künste Berlin

1739 Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg

Bild: Zentrale Kustodie, MLU Halle-Wittenberg

Quellen: ADB, Bd. 33, Leipzig 1891, S. 4f.; Dreyhaupt, S. 715ff.; Förster, S. 260f.; MV Halle I, S. 407; NDB, Bd. 23, Berlin 2007, S. 725f.; StAH FA, Nr. 2966; UAHW Rep. 3, Nr. 243 Ernennung der außerordentlichen und ordentlichen Professoren der Medizinischen Fakultät, Bd. 1 (1698-1743) u. Bd. 2 (1743-1795); UAHW Rep 3, Nr. 248, Ernennung der ordentlichen und außerordentlichen Professoren der Philosophischen Fakultät (1732-1764).

Autorin: JS

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