Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Johann Andreas (von) Segner

geboren:9. Oktober 1704 Preßburg/Österreich-Ungarn (heute Bratislava)
gestorben:5. Oktober 1777 Halle
Konfession:evangelisch
Vater:Michael Segner, Stadtkämmerer und Steuereinnehmer

Johann Andreas (von) Segner

Ab 1714 besuchte Segner das Gymnasium in Preßburg. 1722 ging er als Hofmeister eines Adligen nach Debrezin, wo er das reformierte Gymnasium besuchen und sich auf das Universitätsstudium vorbereiten konnte. Am 27. April 1725 schrieb er sich an der Universität Jena zum Medizinstudium ein, erkannte aber früh seine Leidenschaft für die Mathematik. Beispielsweise publizierte er schon während des Studiums zu mathematischen Fragen des französischen Philosophen René Descartes (1596-1650). 1730 wurde Segner zum Doktor der Medizin promoviert und praktizierte zunächst in seiner Heimatstadt als Arzt. 1731 bekleidete er das Amt des Stadtphysikus in Debrezin, ging jedoch schon im darauffolgenden Jahr zurück an die Universität Jena. Hier erlangte er am 23. April 1732 die Magisterwürde und 1733 den Ruf als außerordentlicher Professor der Mathematik in Jena.

1735 wurde Segner als erster Professor der Physik und Mathematik an die Philosophische Fakultät der neugegründeten Universität Göttingen berufen, ein Jahr später auch auf die Professur der Chemie (Medizinische Fakultät). Hier machte er sich vor allem einen Namen, weil er erstmals chemische Experimente in seine Lehre einband. Zudem ließ er in Göttingen die Universitätssternwarte errichten.

Am 4. März 1755 konnte man Segner nach Halle berufen, auf die ordentliche Professur der Mathematik – also zum direkten Nachfolger von Christian Wolff (1679-1754). Da die Universität Göttingen deutlich besser ausgestattet war und so generell höhere Gehälter zahlen konnte, gelang diese Abwerbung u.a. mit einem für hallesche Verhältnisse vergleichsweise hohen Gehalt von 1200 Taler im Jahr. Dem preußischen König Friedrich II. war sehr an einem renommierten Mathematiker gelegen, denn er erhoffte sich durch ihn eine Verbesserung des mathematischen Unterrichts an der Fridericiana zu erzielen. So beauftragte er den großen Mathematiker Leonhard Euler (1707-1783), einen Nachfolger für Wolff zu finden. Euler stand bereits im intensiven brieflichem Austausch mit Segner und sprach sich für ihn aus. Friedrich der Große berief Segner nicht nur als Professor nach Halle, neben dem hohen Gehalt verlieh er ihm zudem das preußische Adelsdiplom.

Segner spezialisierte sich vor allem auf dem Gebiet der Mechanik von Flüssigkeiten. Unter anderem hatte er in den 1740er und frühen 50er Jahren an der Erfindung eines speziellen Wasserrades, einer hydraulischen Turbine, gearbeitet, die heute noch in Sprinkleranlagen zum Einsatz kommt. Aus diesem Grund wird er in der Technikgeschichte auch als „Vater der Turbine“ betrachtet (Kleinert). Vor allem diese Erfindung war es, die ihm internationalen Ruhm bescherte. Es folgten außerdem zahlreiche Publikationen, die schnell zu Standardwerken wurden, sowohl in der Mathematik und Physik, also auch in der Astronomie.

1732, noch vor seiner Berufung als außerordentlicher Professor, heiratete Segner die Tochter seines ehemaligen Professors Hermann Friedrich Teichmeyer (1685-1744), Mariana Carolina Sophia. Teichmeyer dürfte nicht unbeteiligt an der Berufung Segners als außerordentlicher Professor nach Jena gewesen sein. Auch Teichmeyers zweite Tochter, Sophie, war in späterer Ehe mit dem Schweizer Mediziner und Naturforscher Albrecht von Haller (1708-1777) verheiratet. Das macht deutlich, in welchen Kreisen sich Segner schon früh bewegte. Diese familiären Strukturen und die daraus erwachsenen Vorteile waren im 18. Jahrhundert nicht nur nicht anrüchig, sie waren auch objektiv von großem Vorteil, weil der Zugang zu kostbaren Büchern, über den Schwiegervater der Kontakt zu Gelehrten der Zeit, und damit der Austausch von Wissen insgesamt möglich war und offenstand.

Organisationen:

1746 Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften Berlin

1751-53 Mitglied der Akademie der Wissenschaften Göttingen

1754 Mitglied der Akademien der Wissenschaften London und St. Petersburg

Quellen: ADB, Bd. 33, Leipzig 1891, S. 609f.; Förster, S. 262f.; Günther, Johannes: Lebensskizzen der Professoren der Universität Jena seit 1558 bis 1858, Jena 1858 (ND Aalen 1979), S. 196; Kleinert, Andreas: Johann Andreas (von) Segner (1704-1777), in: Reports on Didacts and History of Mathematics 19 (2002), S. 15-20; Köhler, Otto: Die Matrikel der Universität Jena, Bd. 3 (1723 bis 1764), Weimar 1992, S. 43; NDB, Bd. 24, Berlin 2010, S. 164f.; StA FA, Nr. 4987; UAHW Rep 3, Nr. 248 Ernennung der ordentlichen und außerordentlichen Professoren der Philosophischen Fakultät (1732-1764).

Autorin: JS

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