Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Morgeneyer, Christof

geboren:27. Oktober 1940 in Leipzig
  
  
  

Morgeneyer, Christof

Christof Morgeneyer begann 1960 sein Physikstudium in Halle. Als nach dem Mauerbau im Herbst 1961 das Verteidigungsgesetz und der „Kampfauftrag der FDJ“ verabschiedet wurden, wurden die Studenten unter Druck gesetzt, Bereitschaftserklärungen im Sinne des Kampfauftrages zu unterschreiben, der dazu aufforderte, dass sich jeder Student dazu bekennen sollte, den Sozialismus der DDR auch mit der Waffe zu verteidigen. Bei einer Aussprache mit Physikstudenten weigerte sich Christof Morgeneyer zusammen mit acht anderen (unter anderem Hermann Beleites), die Bereitschaftserklärung zu unterschreiben. Bei seiner darüber hinaus geäußerten generellen Ablehnung des Militärdienstes nannte er christliche Motive. Die sich verweigernden Studenten wurden durch Aufforderung zur schriftlichen Stellungnahme und durch die Einleitung von Disziplinarverfahren unter Druck gesetzt, sodass bei einer Aussprache am 18.10.1961 nur noch sechs Studenten befragt wurden. Dies fand in Anwesenheit einiger Lehrender aus verschiedenen Fakultäten und von 200 Studenten der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät statt. Die sechs übrig gebliebenen Studenten hatten sich zuvor mit dem Dekan der Theologischen Fakultät Prof. Dr. Erdmann Schott beraten und daraufhin schließlich doch alle die Bereitschaftserklärung unterschrieben. Diese Beratung war von Christof Morgeneyer angeregt worden.

Während die anderen vier Studenten nur verwarnt wurden, trafen Morgeneyer und Beleites härtere Disziplinarstrafen. Während der Aussprache hatte Morgeneyer eingeräumt, nach der Besprechung mit Dekan Schott den Dienst an der Waffe für Christen unter bestimmten Voraussetzungen als legitim anzusehen. Morgeneyer wurde zeitweilig aus dem Studium ausgeschlossen und musste zunächst zur „Bewährung in der Produktion“ in den Buna-Werken arbeiten. Von September 1960 bis Januar 1967 setzte er sein Studium an der Universität Halle fort. 

Quellen: 

Dieter Nover: Tagebuch 1959–1963. In: Hallische Beiträge zur Zeitgeschichte 11 (2002), S. 98–109, hier S. 100–103.

Hermann-J. Rupieper (Hg.): ››Es gibt keinen Ausweg für Brandt zum Krieg‹‹. August 1961 an der Martin-Luther-Universität, Halle (Saale) 2002, Nr. 14, S. 70–82 u. Nr. 33, S. 139f. 

Friedemann Stengel: Fakultäten, Die Theologischen Fakultäten in der DDR als Problem der Kirchen- und Hochschulpolitik des SED-Staates bis zu ihrer Umwandlung in Sektionen 1970/71, Leipzig 1998, S. 522–535.

UAHW, Rep. 12, SA 23121 (Morgenyer) u. Rep. 18.1.2, Nr. 25.

Autor: AK

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