Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Johann Jakob Rambach

geboren:24. Februar 1693 Halle
gestorben:19. April 1735 Gießen
Konfession:evangelisch
Vater:Johann (Hans) Jakob Rambach (geb. 1635), Schreiner in Halle

Johann Jakob Rambach

Rambach besuchte bis 1706 das Stadtgymnasium in Halle und begann im Anschluss eine Tischlerlehre, die er jedoch wegen eines Arbeitsunfalls nicht beenden konnte. Ab 1708 besuchte er die Lateinische Schule der Franckeschen Stiftungen und am 27. Oktober 1712 schrieb er sich für das Medizinstudium ein, wechselte aber bald in die Theologische Fakultät. Neben den pietistischen Lehrern wie August Hermann Francke (1663-1727) oder Paul Anton (1661-1730) wurden vor allem die Professoren Johann Heinrich Michaelis (1668-1738) und dessen Neffe Christian Benedikt Michaelis (1680-1764) prägend für ihn. Durch Letztgenannte beschäftigte sich Rambach intensiv mit der hebräischen Sprache und der kommentierten Übersetzung verschiedener Teile der Bibel. Diese Arbeit und sein schlechter Gesundheitszustand zwangen ihn immer wieder zu längeren Studienunterbrechungen. Nach einem Genesungsurlaub in Jena schrieb sich Rambach am 10. Oktober 1719 an der dortigen Universität ein. In Jena studierte er vor allem unter Johann Franz Buddeus (1667-1729), der als Professor 1704 von Halle nach Jena gewechselt war. Unter ihm hielt Rambach bereits Übungen. 1720 legte er den Magistertitel ab und wurde zum Adjunkt der Theologischen Fakultät berufen.

1723 kehrte er nach Halle zurück. Auch hier war er als Adjunkt der Theologischen Fakultät und zugleich als Inspektor an den Franckeschen Stiftungen tätig.

Am 5. Mai 1726 erfolgte Rambachs Berufung als außerordentlicher Professor der Theologie. Wenige Tage nach dem Tod August Herrmann Franckes am 8. Juni 1727, erhielt Rambach am 14. Juni die Berufung auf die ordentliche Professur und folgte so Francke direkt nach. Er übernahm zugleich das Amt des Universitätspredigers.

Am 28. Juni 1731 wurde Rambach in Halle zum Doktor der Theologie promoviert. In der Theologischen Fakultät war es üblich, dass die Professoren erst im Laufe ihrer Amtszeit die Promotion ablegten. In aller Regel hatten sie aber zuvor bereits zahlreiche Publikationen veröffentlicht.

Kurz darauf, im Juli 1731, quittierte Rambach den Dienst in Preußen und wurde zum Professor Primarius und Ersten Superintendenten nach Gießen berufen, wo er seit 1732 auch als Direktor des Pädagogiums fungierte.

Rambach vertrat eine stark pietistische Theologie, die er mit einem hohen Maß an Bildung verband. Er beeinflusste die Schulreformen in der hessischen Landgrafschaft. Unter anderem trat er für eine obligatorische Schulpflicht ein und – ganz im Sinne Franckes – setzte er sich für den Einsatz von naturkundlichen Materialien im Unterricht ein. Noch heute ist Rambach für seine Kirchenlieder bekannt: überliefert sind etwa 360 eigene Liedtexte und geistliche Dichtungen. Daneben gab er große Liedersammlungen heraus.

Rambach heiratete am 9. Mai 1724 die Tochter des halleschen Theologieprofessors Joachim Lange (1670–1744), Johanna Elisabeth Lange (gest. 30. Mai 1730). So verkehrte Rambach in den höchsten Kreisen der Hallenser Theologen, auch dürfte sich sein Schwiegervater für die Ernennung des damaligen Adjunkten zum außerordentlichen Professor stark gemacht haben. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor: die erste, Johanna Dorothea (1726-1775), heiratete den hessischen Pfarrer Conrad Caspar Griesbach (1705-1777). Rambachs Enkel, Johann Jakob Griesbach (1745-1812), wurde ebenfalls Theologieprofessor in Halle.

Nach dem frühen Tod der Ehefrau im Mai 1730 ging Rambach noch im selben Jahr die zweite Ehe ein, schon um die beiden kleinen Kinder zu versorgen. Am 24. Oktober 1730 heiratete er Anna Elisabeth Büttner, die Tochter des Frankfurter Pfarrers Johann Georg Büttner.

Bild: Zentrale Kustodie, MLU Halle-Wittenberg

Quellen: ADB, Bd. 27, Leipzig 1888, S. 196-200; BBKL, Bd. 7, Hamm 1994, Sp. 1299ff.; Dreyhaupt, S. 692f.; Förster, S. 254f.; Heigel, Julian: "Vergnügen und Erbauung". Johann Jacob Rambachs Kantatentexte und ihre Vertonungen, Halle 2014; Jauernig, Reinhold/Steiger, Marga: Die Matrikel der Universität Jena, Bd. 2 (1652 bis 1723), Weimar 1977, Teil 1, S. 613; NDB, Bd. 21, Berlin 2003, S. 127f.; StA FA, Nr. 525; UAHW Matrikelverzeichnisse vor 1744, Bl. 593; UAHW Rep 3, Nr. 239 Ernennung der Adjunkten, außerordentlichen und ordentlichen Professoren bei der Theologischen Fakultät 1691-1786.

Autorin: JS

 

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